Theater schlägt Gerichtshof

Felicia Zeller war schneller Felicia Zeller war schneller als der Bundesgerichtshof. Schon im Januar letzten Jahres wurde ihr Stück „Der Fiskus“   uraufgeführt. Dort sagte Bea, Beamtin in einem maroden Finanzamt, über Cum-Ex-Geschäfte: „Das ist asozial!/Ständig werden Sozialarbeiter in Problemviertel geschickt/Um Menschen wieder in die Gesellschaft zu integrieren/Aber wer geht in den anderen Problembereich unserer Gesellschaft/Dahin, … Weiterlesen

Leben und Tod

John  von Düffels neuer Roman „Die Wütenden und die Schuldigen“ John von Düffel vermerkt auf der Rückseite des Umschlags von seinem neuen Roman: „Die Wütenden und die Schuldigen“, es sei „Zeit, zu den großen Fragen zurückzukehren“. Er hält Wort: Es geht um Leben und Tod – und um die Kunst. Düffel neigt seit seinen (längst … Weiterlesen

Dommage: Festival d’Avignon

AVIGNON.  Das Festival d’Avignon eröffnet mit einem Paukenschlag: Isabelle Huppert tritt auf, auf der großen Bühne, im Ehrenhof des Papstpalastes; sie spielt Ljubów, die Hauptrolle in Tschechows Kirschgarten. Regie führt Tiago Rodrigues, ein portugiesischer Regisseur und Theaterleiter, Namensvetter des bekannteren Fußballspielers. Olivier Py (*1965) leitet des Festival, er ist Dramatiker, Regisseur, Schauspieler – und nicht … Weiterlesen

Politik und Theater

Feministisches Theater, aktuell gewendet Angelika Richter ist eine der scharfsinnigsten und -sichtigsten Komödiantinnen unserer Epoche. Sie spielt mit in Karin Beiers Uraufführungsinszenierung von Elfriede Jelineks neuer Farce „Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen!“ Eine der vielen Rollen, die sie verkörpert, ist eine wohlhabende oder reiche Dame, die in Ischgl an den  Après Ski -Orgien mitgefeiert hat, … Weiterlesen

Schweine – antik und aktuell

Elfriede Jelineks  „Lärm./Blindes Sehen./Blinde sehen!“ im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg uraufgeführt HAMBURG. Elfriede Jelinek behandelt in ihrem neuen Stück „LÄRM./BLINDES SEHEN./BLINDE SEHEN!“ ihre alten Themen: die Fortdauer der Vergangenheit in unserer Gegenwart; Nazistrukturen in unserem heutigen Denken und Fühlen; den Unwillen, etwas grundsätzlich Neues anzupacken und, rundweg die allesdurchherrschende Dummheit, gegen die, wie schon Schiller … Weiterlesen

Dramatikerpreis 21

Frauen, Mütter, Großmütter – Genreationinnenfolge MÜLHEIM an der Ruhr. Das Theater verdankt seinen überragenden Ruf nicht zuletzt seiner Kühnheit. Es spricht Gedanken aus, die Zeitgenossen verwerfen. Nachdem   „Die Weber“ vom jungen Gerhart Hauptmann uraufgeführt worden waren, kündigte der Kaiser seine Loge im Deutschen Theater. Als Frank Wedekind „Frühlings Erwachen“ schrieb, wagten die fortschrittlichsten Theaterleute nicht, … Weiterlesen

Terror & Gegenterror

Ian McGuire „Der Abstinent“ Zehn Seiten vor Ende könnte Ian McGuire seinen neuen Roman „Der Abstinent“ gut, positiv, optimistisch enden lassen, aber dann… Der Abstinent, der dem Roman seinen Namen gibt, heißt James O’Connor, lebt Mitte des 19. Jahrhunderts, und ist Polizist. In Dublin hat er wegen einer Krise angefangen zu trinken und wird von … Weiterlesen

Juli Zeh accuse

Juli Zehs „Über Menschen“ Juli Zeh hat ihren eigenen Kopp, schwimmt mit Lust gegen den Strom. Sie ist liberal bis in die Knochen, Juristin, die den Zweifel als Tugend systematisch betreibt, und sie möchte uns, ihre Leser*innen, überzeugen, dass diese Methode so ihre Vorteile hat. Dazu hat sie eine Geschichte erfunden, mit der sie für … Weiterlesen

Taugenichtse & Nichtsnutze

Klaus Modicks „Fahrtwind“ Klaus Modick hat mit „Fahrtwind“ Joseph von Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ überschrieben. Eichendorffs Erzählung spielt im frühen 19., Modicks Roman im späten 20. Jahrhundert, in den Siebziger Jahren.  Ein junger Mann soll Nachfolger seines erfolgreichen Vaters, eines Unternehmers, werden, er soll die Firma übernehmen, tüchtig und wohlhabend wie Papi werden. … Weiterlesen

Rundum humorvoll. Selbstkritisch. Witzig. Geistreich.

Klaus Modicks „Bestseller“ Klaus Modicks „Bestseller“ ist, obwohl nur 272 Seiten schmal, ein ungemein reicher Roman; eine Satire; mehr, eine Abrechnung mit dem Literaturbetrieb; noch mehr: mit der Kultur unserer Tage – die Kritik gleich mit einbezogen. Und ein Pageturner. Lukas erbt; er ist Schriftsteller, sein Erfolg überschaubar wie auch seine Einkünfte. Deshalb freut er … Weiterlesen