Gut erzählt

Klaus Modicks „Der kretische Gast“ Klaus Modick hat mit seinem „Kretischen Gast“ einen antifaschistischen Roman geschrieben. Ein junger Historiker, der eben (1975) sein Examen bestanden hat, bekommt Streit mit seinem Vater, einem wohlsituierten Rechtsanwalt, als er ihn nach einem alten Foto fragt, das im Zweiten Weltkrieg auf Kreta aufgenommen wurde. Warum regt der Vater sich … Weiterlesen

Kultur für alle

Vorurteile über Bord! Privater Reichtum bei öffentlicher Armut ist eine Begleiterscheinung unserer Epoche. In Amerika überlegen immer wieder Städte, wertvolle Gemälde, die   ihre Museen zieren, zu verkaufen. In Detroit wurde das 2013 abgewendet. Mit gutem Grund meint Kito Nedo: „Welche Zukunft hat eine Stadtgesellschaft, welche die ihr anvertrauten Kultureinrichtungen auf diese Weise plündert?“ , fragt … Weiterlesen

Menschen & Schimpansen

T.C.Boyle: Sprich mit mir „Sprich mit mir“ nennt T.C. Boyle seinen neuen Roman – der Titel umreißt das Kernproblem. Guy, Assistenzprofessor an einer kleinen amerikanischen Universität, betreut für seinen Chef, eine namhafte Koryphäe, ein Projekt: Können Schimpansen Sprache lernen, können sie mit Menschen kommunizieren, können Sie das Erlernte an ihre Kinder weitergeben? Sam wurde als … Weiterlesen

Dekonstruieren, destruieren und pürieren

Erkenntniszuwachs: Franzobels neuer Roman „Die Eroberung Amerikas“ Humor ist der erste, der beste und bleibende Eindruck von der „Eroberung Amerikas“, Franzobels (*1967) neuem Roman – ein frappierend origineller Auftritt. Eine seiner geistreichsten Formulierungen: „Der Mississippi, ein Strom so breit, dass drei Doppelkonsonanten in ihm Platz fanden.“ (S. 486).  Alle Seiten der Komik blättert Franzobel wie … Weiterlesen

Der General ist untröstlich

Yishai Sarids „Siegerin“ auf Deutsch Yishai Sarids neuer Roman „Siegerin“ ist haarsträubend. Haarsträubend im mikro-, aber haarsträubend auch im makroliterarischen Sinn. Der kleine Kreis Abigail ist Psychologin. Ihr Spezialfeld: die Seele von Soldaten. Nach blutigen Einsätzen leiden Soldaten immer wieder unter schweren Störungen – Abigail weiß sie zu behandeln, sie arbeitet bei der israelischen Armee. … Weiterlesen

Das ganze Leben

Thomas Freyer ist mit  „Stummes Land“  beim Dramatikerwettbewerb 2021 MÜLHEIM.   Thomas Freyer hat sein Schauspiel „Stummes Land“ als Dreiakter konzipiert. Im ersten Akt treffen sich Freunde, nachdem sie sich länger nicht gesehen  haben, zum Abendessen – um ihre Freund- oder Bekanntschaft aufzufrischen, sich zu erinnern, aber auch jetzige Standpunkte darzulegen, zu erörtern und zu diskutieren. … Weiterlesen

Fernsehen

Boris Nikitins  „Erste Staffel. 20 Jahre Großer Bruder“  beim Dramatikerwettbewerb 2021 MÜLHEIM.   Boris Nikitin schiebt noch vor die erste Szene seines neuen Stücks „Erste Staffel. 20 Jahre Großer Bruder“ eine Einblendung. Er skizziert das Jahr 2000 in Deutschland, Politik, Pop, und fährt fort: „… in einer unbedeutenden Stadt … ziehen zehn unbekannte Menschen in einen … Weiterlesen

Das willst Du sehen!

Christine Umpfenbach ist mit  „9/26 – Das Oktoberfestattentat“  beim Dramatikerwettbewerb 2021 MÜLHEIM.   „9/26 – Das Oktoberfestattentat“ ist ein Dokumentarstück. Gegenstand ist, wie schon der Titel sagt: Das Oktoberfestattentat in München, es geschah am 26. September – 9/26 lehnt sich   an den Angriff auf die Twintowers in New York an, „9/11“ das Datum in amerikanischer Schreibweise. … Weiterlesen

Frauen und Männer

Rebekka Kricheldorfs  „Der Goldene Schwanz“  beim Dramatikerwettbewerb 2021 MÜLHEIM.  Ihr neues Stück „Der Goldene Schwanz“ ist, wie Rebekka Kricheldorf gleich im Untertitel erläutert,“Eine Aschenputtel-Variante nach den Brüdern Grimm“. Sie spielt hier und heute. Nicht im Märchenland des Mittelalters oder des 19. Jahrhunderts, sondern in unserer Welt, 21. Jahrhundert, knallhart, wie das Wort „Schwanz“ im Titel … Weiterlesen

Frauen, ihre Mütter und Großmütter – Generationinnenfolge

Ewe Benbenek ist mit  „Tragödienbastard“  zum Dramatiker*innenwettbewerb 2021 nach Mülheim eingeladen Das Theater verdankt seinen überragenden Ruf nicht zuletzt seiner Kühnheit. Es spricht Gedanken aus, die Zeitgenossen verwerfen. Als   „Die Weber“ vom jungen Gerhart Hauptmann uraufgeführt wurden, kündigte der Kaiser seine Loge im Deutschen Theater. Als Frank Wedekind“ Frühlings Erwachen“ schrieb, wagten die fortschrittlichsten Theaterleute … Weiterlesen