Der bürgerliche Held

Julian Barnes „Der Mann im roten Rock“ Julian Barnes ordnet seinem „Mann im roten Rock“ keine Gattungsbezeichnung zu, weder „Roman“ noch „Biographie“ – aus gutem Grund. Barnes erzählt die Geschichte von Dr. Samuel Pozzi, einem bekannten französischen Gynäkologen, der von 1846 bis 1918 lebte, eine Bilderbuchkarriere machte, eine prominente Rolle in der besten Pariser Gesellschaft … Weiterlesen

Brillant

John von Düffel: Wasser und andere Welten John von Düffel war am Anfang seiner steilen Karriere Theaterkritiker – er hätte es spielend an die Spitze geschafft, hätte er es nicht vorgezogen, Professor zu werden und Dramaturg. Sein Essay Grenzgänger der Mitte in seinem   bei DuMont erscheinen Aufsatzbändchen Wasser und andere Welten ist brillant, ein Kleinod … Weiterlesen

Clarté

Michel Houellebecqs „Ein bisschen schlechter“ Michel Houellebecqs „Ein bisschen schlechter“ ist erst mal eine Enttäuschung – kein neuer Roman, statt dessen Aufsätze – dazu noch nur ein dünnes Bändchen, 202 Seiten, viele davon weiß – großzügig gestaltet, mit einem roten Bändchen als Lesezeichen – das versöhnt ein wenig. „Ein bisschen schlechter“ bezieht sich auf Reflexionen … Weiterlesen

Unsere liebe, gute alte Klassengesellschaft

Christoph Nußbaumeders erster Roman „Die Unverhofften“  „Wie die meisten anderen Menschen seiner Klasse auch hatte er den Verlockungen von Wohlstand und Konsum nachgegeben, um sich erfolgreich zu betäuben. Das machte ihn im Grunde seines Herzens zu einem unerfüllten Menschen.“ So beschreibt Christoph Nußbaumeder (*1978 in Eggenfelden, Landkreis Rottal-Inn) seinen Protagonisten Georg in seinen „Unverhofften“ – … Weiterlesen

Auf in den Kampf!

Ronya Othmanns Roman „Die Sommer“ Ronya Othmann hat mit „Die Sommer“ einen ungewöhnlichen Roman geschrieben, er hat etwas von AgitProp. Gutem, nachvollziehbarem AgitProp. Und feministisch ist er auch. Im Mittelpunkt steht Leyla. Sie ist die Tochter einer deutschen Mutter und eines kurdischen Vaters. Als kleines Mädchen fährt sie in den Sommerferien immer zu den kurdischen … Weiterlesen

Zur Lage der Frau in Japan

Mieko Kawakami – „Brüste und Eier“ Mieko Kawakami, bei uns bislang wenig bekannt, ist in ihrer Heimat Japan eine namhafte Schriftstellerin; sie hat sich mit ihrem Roman „Brüste und Eier“ (als Novelle schon 2008) durchgesetzt. In den Mittelpunkt rückt die Autorin eine Dreißigjährige, die nach Tokyo gezogen ist, um Schriftstellerin zu werden – sie hat … Weiterlesen

Ausbeutung der Alten & Kranken Inc.

John Grishams „Manuskript“ –  ein Blick aufs Sterben John Grisham ist nicht nur einer der erfolgreichsten Bestsellerautoren der USA, er ist auch einer der besten. Sein Niveau hängt eng mit seinem Lieblingsthema zusammen: der Konflikt zwischen der großartigen Theorie, die die Gleichheit aller Bürgerinnen und Bürger vor dem Gesetz garantieren soll auf der einen, und … Weiterlesen

Donalds Geister

Einsame Spitze: Eine neue Geschichte der Vereinigten Staaten Wer besser verstehen will, wie Donald und viele seine WählerInnen denken & fühlen, findet Rat in Jill Lapores (*1966)  neuer Geschichte der Vereinigten Staaten. Sie nennt ihr Werk „Diese Wahrheiten“ – eine Anspielung auf die Unabhängigkeitserklärung der USA. Dort steht, alle Menschen seien gleich geschaffen – das … Weiterlesen

Schade

Roberto Ciulli ehren Die beiden neuen Bücher über Roberto Ciulli (*1934) wiegen schwer: fast drei Kilo. Ein Ziegelstein und ein halber. Die Bände haben eine schlichte Anmutung: Pappe. Blau und Rot. Der rote erste Band ist am interessantesten wegen der AutoBiographie Ciullis. In ihrem Vorwort schreiben Alexander Wewerka und  Jonas Tinius: „Das Theater an der … Weiterlesen

Feurio

John  von Düffels neuer Roman „Der brennende See“ John von Düffel lässt in seinem neuen Roman „Der brennende See“ keinen See wirklich brennen, mit einer einzigen Ausnahme, gleich zu Anfang: „Der Bellandursee ist die apokalyptische Sehenswürdigkeit von Bangalore: Das größte Gewässer der Stadt ist so verschmutzt, dass die Chemikalien und Abfälle darin immer wieder Feuer … Weiterlesen