Die Vergangenheit der Zukunft


Uraufführung von Thomas Freyers „Letztes Licht. Territorium“ in Düsseldorf

Von Günther Hennecke


Düsseldorf – Seine Themen sind Heimat, Migration und Flucht. Nach dem Utopie-Verlust des Sozialismus‘ suchen Thomas Freyer, 1981 in Gera geboren, und seine Altersgenossen der ersten Nachwuchs-Generation der Wende nach Orientierung. 2006, mit 25 Jahren, gewann er mit „Amoklauf mein Kinderspiel“,  beim „Stückemarkt“ des „Berliner Theatertreffens“ den Förderpreis.


Leben in einer imaginären Zukunft

„Letztes Licht. Territorium“, sein neuestes Stück, erlebte jetzt am Düsseldorfer Schauspielhaus in der Regie von Jan Gehler seine Uraufführung. In einer märchenhaft wirkenden Zukunft lebt sein Personen-Quintett.  Mit Rückblicken auf eine Geschichte, die für uns noch Zukunft ist.
Welt in Schieflage

Die Welt ist in Schieflage

Der Horizont überm blauen Meer ist nach vorne gestürzt ( Bühne: Sabrina Rox) und lässt den Menschen keine  Möglichkeit, aufrecht zu gehen. Gebückt bewegen sie sich. Lemuren gleich in ihren Endzeit-Klamotten, die wie Zivilisationsreste ihre Körper bedecken. Ein Bild der Hoffnungslosigkeit unter dem sich nur ganz allmählich öffnenden Horizont. Was ein Ferienidyll gewesen sein mag, ist längst Endzeit-Bild. An Lesbos von heute zu denken, liegt nahe.


Getrennt von aller Welt

Es ist, in Freyers Stück, das „Territorium“. Ein Mini-Stück Leben, einsam, von aller Außenwelt durch eine täglich wachsende Mauer getrennt. Und wenn Ander (Alexej Lochmann), jung und stämmig, immer wieder und immer tiefer im Sand des Strandes gräbt, ist das nichts als die Suche nach der  Vergangenheit, nach Erinnerung, nach Gewissheit um das eigene Leben. Neben ihm dämmert Magel (Thomas Kitsche), längst in Demenz gefangen, nur noch dahin.


Eine Fremde bricht ein

Leben in diese Welt erinnerungsloser Lemuren bringt eine Fremde, Suu (Anna-Sophie Friedmann). Sie kommt aus einem imaginären „Süden“ und soll angeblich, im Auftrag einer ebenfalls imaginären Firma, dem „Kontinent“ ein letztes Licht bringen. Doch auch sie verliert sich mehr und mehr in Erinnerungslücken. In dieser Endzeitstimmung haben nur die Jungen, Ander und Byosch (Madeline Gabel) ein wenig unbestimmte Hoffnung: „Aufs Meer raustreiben, weg von allem sein“, erträumt sich Ander.


Bild der Unbehaustheit

Jan Gehlers Uraufführungs-Inszenierung ist ein bedrängendes Bild der Unbehaustheit und Hoffnungslosigkeit. Und ein zudem sehr pessimistischer Blick in die Zukunft. Düsseldorfs Publikum war begeistert.


Aufführungen: 20. Februar; 7.,13.,28. März; 1 3/4 Stunden ohne Pause; www.dhaus.de—-„Letztes Licht. Territorium“Von Thomas FreyerUraufführung am 13. Februar 2020Regie: Jan GehlerBühne: Sabrina RoxKostüm: Katja StrohschneiderMusik: Vredeber Albrecht

Kurz und bündig: Ein Abend bedrängender Bilder.