Tanz und giftiges Theater in Köln
„Coltan-Projekt“ als deutsch-afrikanische Koproduktion im Zentrum
Von Günther Hennecke
Köln – Zehn Tage lang öffnet sich im Juni (17. – 27.6.) in Köln ein Fenster mit Blick auf aktuelles westafrikanisches Theater und Tanz. Zum dritten Mal präsentieren 70 Künstler aus zehn Ländern beim „afriCOLOGNE“-Festival ihren theatralischen Umgang mit den Realitäten in Burkina Faso und der Elfenbeinküste, den beiden Kongos, Senegal und Uganda.
Eröffnet wird das Festival mit einer Tanz-Performance, in der die „Nuit blanche à Ouagadougou“ beschworen wird. Die Fiktion einer Protestbewegung, von Serge Aimé Coulibaly entworfen, geriet unversehens zur Wirklichkeit: Die erste Aufführung beim Festival Récréatrales in Ouagadougou verlief zeitgleich mit den Protesten, die im Oktober 2014 zum Sturz des Präsidenten Blaise Campaoré führten.
Im Zentrum des Festivals steht eine internationale Co-Produktion des Bauturm-Theaters Köln mit dem Festival „Récréatrales“. Goethe-Institut und Auswärtiges Amt finanzierten das Unternehmen, das sich, unter dem Titel „Coltan-Projekt“, dem gierigen Kampf um den Rohstoff widmet, ohne den es weder ein Handy noch andere hochtechnische Geräte gäbe. Kinderarbeit, Bürgerkrieg und Ausbeutung sind die Begleiterscheinungen. Auch diese Produktion erlebte ihre Uraufführung exakt in den Tagen des Präsidentensturzes.
Eine ausführliche Filmdokumentation des Kölner Filmemachers Christian Hennecke über die Projekt-Entwicklung und die Uraufführung in Ouagadougou (mit sich anschließenden Präsentationen in den Hauptstädten der beiden Kongos, in Kinshasa und Brazzaville), in die auch tagespolitische Szenen vom Aufstand in Burkina Faso eingeflossen sind, begleitet zudem das Unternehmen.
„Es soll deutlich werden, dass Afrika kein verlorener Kontinent ist“, betont „Bauturm“-Chef und Festival-Leiter Gerhardt Haag, „sondern der Ort, wo die Widersprüche der Welt extrem aufeinandertreffen“.
Schwarzer Hamlet aus Rio am Rhein
Zum 25. Mal: Deutschlands einziges „Shakespeare-Festival“ im Neusser „Globe“
Von Günther Hennecke
Neuss – Deutschlands einziges „Shakespeare-Festival“ lädt zu einem Jubiläum: Zum 25. Mal ermöglicht ein Zwölf-Eck auf der Neusser Galopprennbahn, ein verkleinerter Nachbau des legendären Londoner „Globe“, allabendlich ein Eintauchen in die Welt des Elisabethanischen Theaters. Hart sind die Bänke für die 500 Besucher, hochaufragend die zwei Ränge überm Parkett. Vom 28. Mai bis 27. Juni geben sich hier Truppen aus England und Spanien, Brasilien, Österreich und Deutschland die Klinke in die Hand. Sie präsentieren sechs Komödien, drei Tragödien, eine Historie und eine „Impro-Oper“ des großen Elisabethaners. Dabei immer dem Streben verpflichtet, dem Geist des Shakespeare-Theaters nahe zu kommen.
„Aus der Favela in die Welt“ kündigt sich eine „Trans Hamlet Formation“ aus dem brasilianischen Rio an. „Els Pirates“, eine junge Truppe aus Barcelona, verspricht mit „Was ihr wollt“ ein „schwungvolles und perfekt musizierendes“ Bühnenspektakel. Erstmals in Deutschland zu sehen sind zudem drei Produktionen aus England. Die „Shakespeare at the Tobacco Factory“ aus Bristol holt „Romeo und Julia“ wieder ins Liebesleben zurück, „Shakespeare und Partner“ senden die frohe Botschaft „Wie es Euch gefällt“ nach Neuss, und die „Piper Productions“ aus London, Gewinner von zwei „Off West End“ und einem „Broadway World Award“ für die beste Regie, tauchen in die mörderische Welt von „Macbeth“ ein.
Die „bremer shakespeare company“ ist mit „Shakespeares Könige. Mord Macht Tod“ ebenso dabei wie die „Theaterachse Salzburg“ mit Windsors „Lustigen Weibern“. Seine ganz eigene Sicht auf den „Sommernachtstraum“ bietet Dominique Horwitz gemeinsam mit der Berliner „Lautten Compagney“ in einer Revue.
www.shakespeare-festival.de