Enttäuschende „Macbeth“-Inszenierung aus London beim „Shakespeare-Festival“ in Neuss
Von Günther Hennecke
Neuss – Wem die grandiose Körpersprache und das sprachliche Temperament des „Hamlet“-Quartetts der „Companhia Completa Mente Solta“ aus Rio noch in Hirn, Ohr und Knochen steckte, wurde einen Abend später beim Neusser „Shakespeare-Festival“ auf Insel-Nüchternheit zurückgeschnitten. Und das mit einem Stück, dessen Mordrate sich wesentlich rascher ins Unerträgliche steigert als in dem des großen Zauderers.
Doch die „Macbeth“-Inszenierung der Londoner „Piper Productions“ in der Regie von Guy Retallack versteckte sich nicht nur in militärischen Tarnanzügen – nach dem Motto: Achtung! Krieg! -, die selbst noch in privatesten Szenen den Farb-Ton angaben. Sie ernüchterte auch durch die durchweg rampennahe und statische Präsentation.
Im Klartext: „Macbeth“, dieser dunkle und mörderische Weg durch Verrat und Mord, weibliches Intrigenspiel (Lady Macbeth) und männliche Verführbarkeit und Machtgier, landet zusehends in klassischer Routine. Dass die Inszenierung nicht nur zwei „Off West End Awards“ auf sich häufen konnte, sondern auch einen „Broadway World Award“ für die „beste Regie“ ergatterte, kann allenfalls britischer Korrektheit und gepflegter Langeweile geschuldet sein. Dass Macbeth den „Schlaf mordete, ist ohne jede poetische und dramaturgische Überhöhung auf die karge Bühne im Neusser „Globe“ gebracht.