Mordlust der Könige

 

Die „bremer shakespeare company“ zelebriert Shakespeares Könige in einem Medley

 

Von Günther Hennecke

Neuss – Beim 25. Jubel-Festival zu Ehren William Shakespeares in Neuss bot die bremer shakespeare company, übrigens eine Art Amme bei der „Geburt“ der „Globe“-Tradition und seitdem regelmäßig dabei, tiefe Einblicke in die lange und blutige Geschichte von „Shakespeares Königen“, und sparte dabei nicht mit „Mord Macht Tod“.

Für den Herrscher –Medley erfanden Grit van Dyck und Johanna Schall eine Art Durchlauferhitzer, der zentrale Königs-Szenen Shakespeares ineinander fügte. Es geht immer um Recht und Macht und wie die jeweils Herrschenden die Begriffe für ihre Ziele missbrauchten.

Ein runder Tisch, einige Stühle, ein grandioses Schauspieler-Sextett: Mehr braucht es nicht, um die Königs-Posen, nicht selten in kunstvoll choreographierten Szenen, über vier Jahrhunderte, von Richard II. über drei Heinriche bis zum buckligen Richard III., als Blutspur reiner Machtgier zu entlarven. Sprachlich ein Genuss – Frank Günthers Übersetzung ist und bleibt zupackend -, darstellerisch ein großes Vergnügen, führt die Inszenierung durch Paläste und über Schlachtfelder, erzählt von Gier und Mordlust. Ehre und Menschlichkeit? Welche Schwäche!

Dass das fast dreistündige Spektakel, das auch nicht vor Pathos und großer Show zurückschreckt, freilich kaum neue Erkenntnisse gebiert und auch die verdammt vertrackte englische Geschlechter- und Königsfolge auch in dieser „Performance“ nicht recht verständlich wird, und Könige im halben Dutzend schließlich sogar langweilen können, darf nicht verwundern. Verloren gehen zwangsläufig tiefere Einsichten in die Geschichte und die seelische Positionierung der Personen, die um die skizzenhaft wirkenden Königs-Portraits herum den eigentlichen Reiz der Shakespeare-Dramen ausmachen.

Denn was lehrt uns die lange Geschichte der Menschheit, vor allem die der letzten 100 Jahre und damit unsere eigene? Ohne ein biegsam-gefügiges Umfeld, ohne die charakterlosen Schmeißfliegen im Kreis der Herrschenden kämen die gar nicht an die Macht und in die Situation, die Welt nach ihrem Bild und ihren mörderischen Maßstäben zu beherrschen.