{"id":1389,"date":"2019-05-14T11:13:18","date_gmt":"2019-05-14T09:13:18","guid":{"rendered":"http:\/\/theaterfischer.de\/?p=1389"},"modified":"2019-07-08T14:37:47","modified_gmt":"2019-07-08T12:37:47","slug":"die-autobiographie-eines-knallroten-patrols","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theaterfischer.de\/?p=1389","title":{"rendered":"Die Autobiographie eines knallroten Patrols"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>K\u00f6lner Abenteurer durchfahren zwei Monate lang mit K-AF 1997 Savannen,Sandstrudel, Schlamm und B\u00e4che<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6ln, im Juni 2019 &#8211; Es sind genau 22 Jahre her, dass ich, ein signalroter Patrol, das Abenteuer meines Lebens startete. Oder ist es etwa kein Abenteuer, mit drei neugierigen M\u00e4nnern, denen es der schwarze Kontinent schon lange angetan hatte, Afrika auf die H\u00f6rner zu nehmen? Da waren der Vater und seine zwei S\u00f6hne, die sich einen Traum erf\u00fcllten, den der Vater viele Jahre zuvor vorgetr\u00e4umt, besser: zu erf\u00fcllen versprochen hatte. Wann, wo und wie es dazu kam, ist eine nicht ganz einfache, aber, wie ich meine, liebenswerte und interessante Geschichte. Nicht gerade ein M\u00e4rchen, aber verbl\u00fcffend genug.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es begann in Mombasa ohne mich<\/strong><br>Es begann ganz und gar ohne mich. Im Jahre 1986. Die beiden bereits erw\u00e4hnten S\u00f6hne des damals 49-j\u00e4hrigen Vaters befanden sich im Kindes- und Jugendlichen-Alter. Der eine war gerade mal acht, der andere 14 Jahre alt, als sie, nat\u00fcrlich mit ihrer Mama, Ferien in Mombasa machten. Im Hotel \u201eDolphin\u201c, direkt am schneewei\u00dfen Strand und t\u00fcrkis schimmernden Indischen Ozean. Doch der Strand konnte noch so verf\u00fchrerisch wei\u00df, die See noch so unwirklich t\u00fcrkis schimmern, das Korallenriff vor der K\u00fcste noch so bunt und exotisch locken: Die Savanne, die Nationalparks mit ihrer Faszination urt\u00fcmlicher Natur und Tiere lie\u00dfen dem 14-J\u00e4hrigen und seinem Vater keine Ruhe. So lie\u00dfen sie, nach einigen Tagen am \u201eDolphin\u201c-Strand, &nbsp;Pool, Kind, Frau und Bruder zur\u00fcck \u2013 und zogen ab in die Nationalparks \u201eTsavo\u201c und \u201eAmboseli\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>M\u00f6rderische Tage f\u00fcr Gnus und Antilopen<\/strong><br>Eine Woche lang waren die Beiden mit einem Suzuki in der Wildnis unterwegs und erlebten ebenso faszinierende wie, f\u00fcr einige Gnus und Zebras, m\u00f6rderische Tage. In der \u201eKilimanjaro-Safari-Lodge\u201c, in der sie nur durch eine Zeltplane vom wilden Drau\u00dfen getrennt waren, soll dereinst bereits Ernest Hemingway \u00fcbernachtet haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein folgenschweres Versprechen<\/strong><br>Nat\u00fcrlich kenne ich solche Geschichten und Erz\u00e4hlungen nur vom H\u00f6rensagen. Ich war schlie\u00dflich noch nicht mal zu einem Patrol geformt worden. Doch der Weg zur\u00fcck, in die achtziger Jahre, ist notwendig, um meine einmalige Geschichte verstehbar zu machen. Denn als das Duo zur\u00fcck im \u201eDolphin\u201c war, fand der erst Achtj\u00e4hrige das gar nicht gut, dass er mit Mama hatte zur\u00fcckbleiben m\u00fcssen. Vor allem, nachdem das Safari-Duo von seinen Erlebnissen so geschw\u00e4rmt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der verpasste Leopard<\/strong><br>Also ging es, als Ausgleich und Wiedergutmachung, zu viert f\u00fcr zwei Tage in den nahegelegenen \u201eTsavo-Nationalpark\u201c. Dass in einer der N\u00e4chte ein Leopard vor der T\u00fcr der \u201eNgulia Lodge\u201c umherstreifte, der Vater es aber nicht \u00fcbers Herz brachte, den schlafenden \u201ekleinen\u201c Jungen aus dem Schlaf zu rei\u00dfen, hat sich Papa bis heute nicht verziehen. Der Leopard wurde zwar mit einem Fleischbrocken jede Nacht angelockt, war also schon halbwegs \u201egez\u00e4hmt\u201c, aber er war immerhin ein realer Leopard. Den verpasst zu haben, hat auch der Junge dem r\u00fccksichtsvollen Vater noch lange als schweres Vers\u00e4umnis vorgeworfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mein Leben kam in Sichtweite<\/strong><br>Sie merken: Ich, der f\u00fcr die Wildnis bereite Patrol, war noch immer nicht im Spiel. Doch als das Quartett, zur\u00fcck am t\u00fcrkisblauen Ozean und schneewei\u00dfen Strand von Mombasa, es l\u00e4ssig angehen lie\u00df, kam ich erstmals, ganz indirekt und nur in der R\u00fcckschau nachvollziehbar, in Sichtweite. Und sei sie noch so nebul\u00f6s. Denn an diesem Strand sprach der Vater die folgenschweren, man kann auch sagen, die prophetischen Worte: \u201eSolltet ihr nach Schule, Studium oder Ausbildung immer noch so verr\u00fcckt auf Afrika sein, dann verspreche ich euch: Wir M\u00e4nner werden dann zu dritt eine Reise quer durch Afrika machen!\u201c Ein gro\u00dfes Wort, das vielleicht mal kurz verloren ging, aber offenbar nie in Vergessenheit geriet<strong>.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Versprechen wurde Wirklichkeit<\/strong><br>Gut zehn Jahre sp\u00e4ter &#8211; f\u00fcr den einstmals 14-J\u00e4hrigen war das Studium zu Ende, f\u00fcr den damals Achtj\u00e4hrigen, der mit seinem Unwillen, dass er damals, 1986, nicht in der Wildnis dabei sein durfte, des Vaters schwergewichtige Versprechen provoziert hatte, das Abitur &#8211; nahm die \u201eProphetie\u201c von der gro\u00dfen Afrika-Durchquerung ganz allm\u00e4hlich Formen an. Vater hatte von seinem Arbeitgeber, bei dem er als Pressereferent f\u00fcr Kultur agierte, die Erlaubnis bekommen, drei Monate lang K\u00f6ln den R\u00fccken zu kehren. Die Jungens scharrten mit den Hufen \u2013 und das auf drei Monate geplante Abenteuer konnte in Angriff genommen werden. Von mir war \u00fcbrigens noch immer nicht die Rede. Dazu muss man sagen \u2013 auch das wei\u00df ich nur aus Berichten \u2013, dass der einst gehegte Plan, von West nach Ost, also etwa von der Elfenbeink\u00fcste \u00fcber Ghana und Togo, Benin und Nigeria, Kamerun und die beiden (heute) Kongos, Uganda und Kenia zu fahren, durch die damals tobenden B\u00fcrgerkriege in der Region, vor allem im Kongo, ein \u201equer durch Afrika\u201c zur Makulatur wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Die Pl\u00e4ne nahmen Gestalt an<\/strong><br>Doch die Pl\u00e4ne reiften. Nur anders. Vier westafrikanische Staaten, die Elfenbeink\u00fcste und Ghana, Togo und Benin wollte man durchstreifen. Danach, so plante das Quartett penibel und mit Hingabe, sollte S\u00fcdafrika f\u00fcr zwei Monate Reiseland und Traum-Kontinent sein. Also die damals, 1991, endlich von der Geisel der Apartheid befreite Republik S\u00fcdafrika; das als letzter aller afrikanischen Staaten 1990 in die Unabh\u00e4ngigkeit entlassene Namibia; Botswana, das damals wie heute als eine Hochburg afrikanischer Demokratie galt und gilt; schlie\u00dflich Simbabwe, in jenen Neunziger Jahren noch relativ frei, unter Mugabe sp\u00e4ter dann zur Diktatur verkommen. Und zuletzt Mosambik, das sich erst langsam von einem selbstm\u00f6rderischen 16-j\u00e4hrigen B\u00fcrgerkrieg zu erholen begann.<strong> <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dem Traum drohte ein fr\u00fches Ende<\/strong><br>Mit der Planung, die schon 1996 begonnen hatte, tauchte aber noch ein Problem auf, das alle Tr\u00e4ume des Trios drohte platzen zu lassen. Denn w\u00e4hrend man die westafrikanischen Staaten mit einem Leihwagen ohne Hindernisse durchqueren konnte &#8211; man musste nur zum Startpunkt zur\u00fcckkehren -, hie\u00df es im S\u00fcden f\u00fcr alle Mietwagen: Stop an praktisch allen Grenzen. Damit war die vermeintlich einfachste Sache der l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Reise erledigt: Ein Mietwagen schied aus. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Endlich kam ich ins Spiel &#8211; und das Abenteuer begann<\/strong><br>Damit schien der gro\u00dfe Traum erledigt \u2013 wenn ich nicht gewesen w\u00e4re. Und nat\u00fcrlich die rege Fantasie des Trios. Die drei versteiften sich, von der Realit\u00e4t Afrikas dazu gezwungen, n\u00e4mlich auf den Gedanken, einen ebenso w\u00fcsten- wie savanneng\u00e4ngigen Wagen in Deutschland zu kaufen, nach Afrika zu verschiffen und, frei von allen Bindungen, durch die Lande zu ziehen und die Grenzen damit&nbsp; \u2013 gut, man brauchte dazu einen Wust von Grenzpapieren \u2013 spielend zu \u00fcberwinden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir wurden ein tolles Gespann<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/IMG_6152.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1599\" width=\"619\" height=\"464\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><br>Na und? Die drei und ich wurden schlie\u00dflich ein unzertrennliches Gespann. Ich kannte zwar weder W\u00fcsten noch Savannen, aber mein Leben im leichtg\u00e4ngigen Europa schien mir sowieso immer unpassend und langweilig. Doch vor unser \u201eB\u00fcndnis\u201c, gemeinsam S\u00fcdafrika zu erobern, hatte das Schicksal den Augenblick gesetzt, an dem wir uns kennenlernten \u2013 und schlie\u00dflich, durch banale DM abgesichert, endg\u00fcltig ein Quartett wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ich bestand die Pr\u00fcfung<\/strong><br>Dass Afrika im Visier der drei M\u00e4nner war, hatte ich schnell raus. Schlie\u00dflich wurde ich auf Motor und Getriebe, Auspuff und \u201eAussichtsdach\u201c gepr\u00fcft. Das musste allerdings, weil ich \u201eoben dicht\u201c war, erst noch geschaffen werden, damit es in den Weiten Afrikas zum \u201eAusguck-Fenster\u201c werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es ging los &#8211; im Container eingesperrt<\/strong><br>Schlie\u00dflich war es aber soweit. Das Trio hatte Vertrauen in meine Zuverl\u00e4ssigkeit und machte mich Arika-klar. Sch\u00f6n, werden manche sagen, aber wie kommt dieser \u201erote Blitz\u201c auf die s\u00fcdliche H\u00e4lfte des afrikanischen Kontinents? Nat\u00fcrlich weder zu Fu\u00df noch auf Autobahnen oder afrikanischen Pisten! Ich wurde in einen Container gesperrt. Das war in Bremen, wohin mich das jugendliche Duo gesteuert hatte. Walvisbay hie\u00df das Ziel. Von der Schiffstour in diesen namibischen Hafen hatte ich, verst\u00e4ndlicherweise, nichts mitbekommen. Was ich mitbekommen hatte: Walvisbay war unser Ausgangsort f\u00fcr die Eroberung des s\u00fcdlichen Kontinents. Ein kleiner Hafen, nix zum Angeben. Aber ich war, nach langer Fahrt im Container-Dunkel, am Ziel. Oder am Start, wie auch immer man will.<strong> <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aus Container-Dunkel ans Licht<\/strong><br>Dann kam der gro\u00dfe Moment, den ich in der Dunkelheit des Containers nur erahnen konnte, besser: akustisch mitbekam. Mein \u201eZuhause\u201c wurde aufgeschlossen \u2013 und drau\u00dfen sah ich, bei aller Blendung durch das afrikanische Licht Namibias, mein Trio wieder. Die Gesichter sagten alles. Staunen, Freude, ein \u201eEndlich\u201c! Es war eine Art \u201eWiedervereinigung\u201c \u2013 ohne politische Folgen. Doch unsere \u201eFolgen\u201c sollten Abenteuer, mitrei\u00dfende Erfahrungen und nie zuvor in dieser F\u00fclle und Gro\u00dfartigkeit erlebte Dinge sein. Selbst ich wurde von den Burschen in ihre Gef\u00fchle hinein gerissen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;K-AF 1997&#8220; hei\u00dft: K\u00f6ln-Afrika 1997<\/strong><br>Es war \u00fcbrigens, um auch etwas f\u00fcr die Geschichtsschreibung zu leisten, ein Donnerstag, der 31. Juli des Jahres 1997. Da f\u00e4llt mir ein: Ich habe noch gar nicht erw\u00e4hnt, wie stolz ich auf meinen \u201eNamen\u201c, sprich auf mein Kennzeichen war und immer noch bin: K \u2013 AF 1997. Klar? K\u00f6lner in Afrika im Jahr 1997.<br>Nat\u00fcrlich hat mich seinerzeit auch interessiert, in welchem \u201eContainer\u201c es meine \u201eBesitzer\u201c nach Walvisbay geschafft hatten. Nur kurz, aber doch so viel: Die waren, in einer dreiw\u00f6chigen Westafrika-Tour, ab Abidjan durch die Elfenbeink\u00fcste, Ghana, Togo und Benin und wieder zur\u00fcck nach Abidjan getourt. Von dort ging\u2019s f\u00fcr sie per Flugzeug via Kinshasa, der Hauptstadt des damals politisch zerrissen Zaire, nach Johannesburg. Michaels 20. Geburtstag wurde \u00fcbrigens da, am 27. Juli, bei einem Chinesen gefeiert. Von dort, nach einem ereignisreichen Wochenende mit City-Bummel unter Polizeibegleitung und einer unvorhergesehenen Einladung zu einer Kunst \u2013 Vernissage in der \u201eNational Galerie\u201c des Landes, flogen die drei mir \u201eentgegen\u201c\u2013 nach Windhuk, Namibias damals recht gem\u00e4chlicher Hauptstadt. Mit deutschem Caf\u00e9, deutscher (Kolonial-)Kirche, und noch manch\u2018 anderer Erinnerung an die Herrschaft \u00fcber \u201eDeutsch S\u00fcdwest\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mit einem schwarzen Bodyguard im Museum<\/strong><br>Vielleicht noch ein kl\u00e4rendes Wort zu der eben erw\u00e4hnten \u201ePolizeibegleitung\u201c. Johannesburg hatte nicht nur den Ruf, es war auch real eine der kriminellsten St\u00e4dte der Hemisph\u00e4re. So riet man meinem Trio, als das, an der Rezeption eines erstklassigen Hotels inmitten der City vorbei zu einem Stadtbummel dem Ausgang zustrebte, sich doch in die Obhut eines polizeilichen Bodyguards zu begeben. Erstaunen bei den Drei. Doch dann war\u2018s auch schon getan: In Rufn\u00e4he des Hotels war eine Station, in der sich naiv-vertrauensvolle Reisende tats\u00e4chlich einen Bodyguard, ja: einen echten Polizisten kostenfrei \u201emieten\u201c konnten. Meine Jungs hatten, wie sie immer wieder erz\u00e4hlen, einen tollen Burschen. Mit Pistole und Schussweste ausgestattet \u2013 doch gar nicht milit\u00e4risch exakt. Da mag es auch erw\u00e4hnenswert sein, dass er mit meinen Jungs gemeinsam \u2013 er hatte unterwegs noch einen Freund aufgegabelt \u2013 zu einer Vernissage in die \u201eNational-Galerie\u201c eingeladen wurde. Bei Sekt und H\u00e4ppchen eine unerwartete Erfahrung im doch so gef\u00e4hrlichen und rassistischen Johannesburg. Denn dass der \u201ePrivat-Polizist\u201c und sein Freund Schwarze waren, soll nicht unerw\u00e4hnt bleiben. Eine doppelt angenehme Erfahrung im ehemaligen Apartheidstaat S\u00fcdafrika. Aber pardon!, Ich verliere mich zu sehr in Erz\u00e4hlungen anderer. Also wieder zu mir und meinen blechern-roten Gef\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gr\u00fc\u00dfe von Moltke und Kaiser Wilhelm<\/strong><br>Da stand ich also: Rot vor Begeisterung, erfreut \u00fcber die strahlenden Gesichter des Trios, das mich aus der Dunkelheit des Containers erl\u00f6st hatte. Walvisbay. Das allein l\u00e4sst an fremde Welten denken. Es war \u00fcbrigens der letzte Juli -Tag des Jahres 1997, an dem mich Flamingos daran erinnerten, dass ich in Afrika war.Umso verbl\u00fcffender, ja verr\u00fcckter, sich wenig sp\u00e4ter wieder wie in Deutschland zu f\u00fchlen. Swakopmund hei\u00dft das St\u00e4dtchen, in dem ich an meinen PS zweifelte. Wurde ich doch durch Stra\u00dfen gesteuert, deren Namen an alte deutsche Zeiten erinnerten. Moltke gr\u00fc\u00dfte, Kaiser Wilhelms Name verlieh einer anderen Stra\u00dfe preu\u00dfisch-deutsches Kolonial-Flair. Und was einst, w\u00e4hrend der deutschen Herrschaft \u00fcber \u201eDeutsch S\u00fcdwest\u201c im \u201eAlten Amtsgericht\u201c verhandelt wurde, d\u00fcrfte heutigen Kriterien kaum mehr standhalten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Pflanzenwunder Welwitschia<\/strong><br>Doch was rede ich von Politik und historischen deutschen Stra\u00dfennamen. Raus soll\u2019s gehen, raus in die Natur des Landes. Einen ersten, daf\u00fcr gleich unvergesslichen Eindruck erhalte ich, als mich mein Trio am sp\u00e4ten Nachmittag an den Rand einer Mondlandschaft steuert. Ganz in der N\u00e4he st\u00e4dtischen Lebens fiel mir kaum was auf in dieser \u00d6dnis. Allenfalls eine Pflanze, die sich, wie erschlafft am Boden dieser \u00d6dnis scheinbar nur dahinvegetierend, als eine der standhaftesten und \u00e4ltesten in dieser kargen W\u00fcstenwelt herausstellte: die Welwitschia, deren Zuname \u201eMirabilis\u201c ihr wahrlich Ehre macht. Bewundernswert ist sie nicht nur, weil die 2000 Jahre alt werden kann, sondern auch in der W\u00fcste \u00fcberlebt. Dazu begn\u00fcgt sie sich mit dem Tau der Nacht und der Nebel- Feuchtigkeit, f\u00fcr die der kalte Benguela-Strom sorgt, der die K\u00fcste entlang streicht. Morgennebel ist die Regel \u2013 und die Wunderpflanze deswegen vor allem zwischen K\u00fcste und nahem W\u00fcstenrand rund um Swakopmund zuhause.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es stinkt erb\u00e4rmlich am Cape Cross<\/strong><br>Doch weiter im Takt. Ich will mehr erleben. Zeigen, was ich drauf habe, wenn mein Viergang-Getriebe gefragt ist. Doch noch dauert es. Zuvor geht\u2019s nach Norden, die K\u00fcste entlang. Wie Ferien f\u00fcr mich. Jedenfalls bis zum \u201eCape Cross\u201c, der Heimat von, so sagt man, an die 100.000 Robben. Wieso &#8222;Cape Cross&#8220; erschloss sich nicht so recht. Ein \u201eKreuz\u201c war allenfalls, jedenfalls f\u00fcr mein Trio, der Gestank, der weithin die K\u00fcstenluft verpestete. Und so konnte man das \u201eCape\u201c auch als Umhang \u00fcbersetzen, mit dem man sich davor sch\u00fctzen konnte. So blieb es beim \u201eKreuz\u201c f\u00fcr die Nase. Nach den ersten Tagen auf afrikanischem Boden hatte ich mich trotzdem sehr flott an die fremde Umgebung gew\u00f6hnt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Versteinerte B\u00e4ume und Feldmalereien<\/strong><br>Ich h\u00f6rte phantastische Geschichten von Felsmalereien in Twyfelfontein, von angeblich \u201eversteinerten B\u00e4umen\u201c und sah meine ersten Paviane. Doch Aufregung sieht anders aus. Bis die Etosha-Pfanne vor uns lag \u2013 und die Tierwelt kaum noch \u00fcberschaubar war. Zebras und Oryxe am Wasserloch, riesige Elefantenherden, die, wenn nicht gerade am Wasser, in geradezu aufreizender wie zugleich h\u00f6chst eleganter Haltung \u201eunsere\u201c Stra\u00dfen \u00fcberquerten. Traumhaft sch\u00f6ne Bilder schon jetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bedenkliche Momente an der Grenze<\/strong><br>Apropos \u00fcberqueren. Der Caprivi \u2013 Zipfel, ein allenfalls 50 km breiter und 400 km langer schmaler Landstreifen Namibias, der im Norden an Angola und im S\u00fcden an Botswana grenzt, lag bereits hinter uns, als ich mal wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit r\u00fcckte. Ins Visier der Grenzer n\u00e4mlich, die die Erlaubnis zum \u201e\u00dcberqueren\u201c in bedenkliche L\u00e4nge zogen. Das Carnet, ein Papier \u00e4u\u00dferster Pingeligkeit und voller b\u00fcrokratischer Stolpersteine, brachte mein Trio nur kurz in Verlegenheit. Also r\u00fcber, nach Botswana. Und damit, so schw\u00e4rmten meine drei, ins Land paradiesischer Natur und Tierwelt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schlammpisten und Steppen warteten<\/strong><br>Ich konnte gar nicht umhin, mich ebenfalls in eine wahre Begeisterung zu steigern. Schlie\u00dflich hatte ich mitbekommen, dass und welche Abenteuer vor uns lagen und auf uns warteten.Und bew\u00e4ltigt werden mussten.Pardon!, aber ich spreche jetzt von mir. Schlammpisten und tiefe Sandspuren lagen vor uns. B\u00e4che, die es zu durchfurchen gab, umgest\u00fcrzte B\u00e4ume, aus dem Busch urpl\u00f6tzlich und zuvor nicht erahnte Elefanten- und B\u00fcffelherden. Mir lief es schon herrlich \u00fcber den mit einem Schiebefenster versch\u00f6nten Dachr\u00fccken. Schlie\u00dflich kam ich nun endlich in die Welt, die wie f\u00fcr mich geschaffen war, besser: f\u00fcr die ich konstruiert war: Vierradantrieb, hohe Achsen, Robustheit. Dinge also, die mir auf europ\u00e4ischen Autobahnen, im Flachland zumal, ziemlich peinlich waren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mit dem Flugzeug \u00fcber das Okavango-Delta<\/strong><br>Ehe es wirklich ernst wurde, ehe ich meine Jungs durchs Okavango-Delta bugsieren sollte und Ihnen beweisen konnte, dass meine \u201eAdoption\u201c durch sie keine Fehlinvestition war, gab\u2019s freilich erst mal eine Pause. In Maun, einer Art Drehkreuz f\u00fcr Touristenfl\u00fcge, hatten meine drei einen Rundflug gebucht \u2013 und ich konnte mich derweil auf das Abenteuer im vielleicht spannendsten Land Afrikas einstimmen.Vielleicht sollte ich aber noch kurz erw\u00e4hnen, dass ich, mit dem \u00c4ltesten der drei am Steuer, leider zwei V\u00f6geln ins Jenseits verholfen habe. Im Stichwort-Tagebuch eines der S\u00f6hne hei\u00dft es, der Vater habe sie \u201eplatt gefahren\u201c. Man sp\u00fcrt: Das war ans Gem\u00fct gegangen. Wichtig ist aber auch zu wissen: H\u00e4tten meine \u201eNacht-Augen\u201c, also die Scheinwerfer, keine Gitter vor dem Glas gehabt, w\u00e4re ich sicher l\u00e4ngst \u201eerblindet\u201c. So ohne war, auch wenn\u2019s nur ein kleiner \u201eUnfall\u201c war, die Reise schon von Beginn an nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Amadeus grunzt ums Zelt<\/strong><br>Endlich ging\u2019s weiter, endlich mitten ins Delta. Auf dem Weg zur \u201eOkuti\u2013Lodge\u201c im \u201eMoremi Wildlife Reservat\u201c: eine tote Schlange, ein toter Schakal, eine tote Eule. Diemal war ich nicht dran schuld. Aber alles andere lebte. Auch das Flusspferd, das sich abends durch die Zelt-Lodge grunzte. Soviel ich verstanden habe, hatte es den Namen Amadeus. Nun ja, aber an den Namensvetter, das Musikgenie aus Europa, erinnerte wenig. Weder die T\u00f6ne noch die ausladend-gem\u00fctliche Figur.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Story von den besoffenen Elefanten<\/strong><br>Mitgekriegt habe ich nat\u00fcrlich auch die Erz\u00e4hlungen von Elefanten, die sich regelm\u00e4\u00dfig an den Fr\u00fcchten des Amarula-Baumes g\u00fctlich tun &#8211; und, falls die Fresslust zu gro\u00df ist, torkelnd davon ziehen. Die Fr\u00fcchte, im riesigen Magen g\u00e4rend, wirken n\u00e4mlich schnell wie Alkohol. \u00dcbrigens haben meine drei im \u201eOkuti\u201c (auch und erstmals) den gelben Lik\u00f6r namens &#8222;Amarula&#8220; zu sich genommen. Um es den Elefanten gleich zu tun, waren die Mengen wohl zu klein. Vielleicht auch zu teuer. Denn \u2013 auch das habe ich mitbekommen, \u2013 diese und die meisten anderen Lodgen waren und sind sauteuer.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine ersten Krokodile<\/strong><br>Am n\u00e4chsten Tag, an dem wir gemeinsam auf die Pirsch gingen \u2013 meistens durfte, besser: musste ich ausruhen, weil mein Trio auf Safari mit \u201ehauseigenen\u201c Fahrzeugen ging \u2013, sah ich erstmals Krokodile. Giraffen, Zebras, S\u00e4belantilopen waren schon Alltag f\u00fcr mich. Selbst als ich kaum f\u00fcnf Meter neben zwei riesigen L\u00f6wen anhalten musste, verloren sich Respekt oder gar Angst schnell. Die Herren gaben sich so desinteressiert, dass es schon an Arroganz grenzte. Da waren Elefanten und B\u00fcffel doch von&nbsp; anderer Qualit\u00e4t, sprich: Charakter. Wie riesig Elefantenohren sind, erlebt jeder schnell, wenn er der Leitkuh zu nahe kommt und die die Ohren aufstellt. Vor ihnen, auch vor B\u00fcffeln und erst recht vor Nash\u00f6rnern habe ich mich immer auf Flucht eingestellt: R\u00fcckw\u00e4rts ran \u2013 um, falls n\u00f6tig, m\u00f6glichst rasch das Weite zu suchen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Affe klaut und frisst eine Kerze<\/strong><br>An die \u201eIden des August\u201c, also an den 15. August, erinnere ich mich mit besonderem Stolz &#8211; auch wegen eines diebischen Affen. Aber&nbsp; vor allem deswegen, weil einer meiner drei M\u00e4nner die Bemerkung \u201ePatrol topfit\u201c ins Tagebuch eingraviert hat. Wir hatten an diesem Tag n\u00e4mlich bereits ein tiefes, nicht recht ausmessbares Wasserloch, dem im Busch nicht auszuweichen war, zu \u00fcberwinden. \u201eTopfit\u201c muss ich also gewesen sein. Jedenfalls haben wir\u2019s, beobachtet von einem Rudel Wasserb\u00fcffel, geschafft, ohne h\u00e4ngen zu bleiben. Und der Affe? Der tanzte doch wirklich auf mir rum, nahm die Gelegenheit der offenen Heckt\u00fcr wahr, klaute eine Kerze \u2013 und fra\u00df sie auf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Fotografin Moira und ihre Elefanten<\/strong><br>Den Tag danach werde ich ebenfalls nicht vergessen. Meine Jungs trauten sich n\u00e4mlich, mit mir \u201eim R\u00fccken\u201c, auf einer Safari rund um das &nbsp;\u201eSavuti Lloyds Camp\u201c, so nah an eine zehnk\u00f6pfige Herde von Elefantenbullen ran, dass selbst mir komisch wurde. Doch wir hatten ein \u201eSchutzschild\u201c \u2013 eine Frau! Moira hie\u00df sie, war Fotografin \u2013 \u00fcbrigens war sie einst schon mit Dr. Grzimek auf Serengeti-Tour \u2013 und hatte zu der Bullengruppe ein ganz besonderes Verh\u00e4ltnis: Weil sie die schon lange beobachtete und begleitete, hatten sie Vertrauen zu ihr aufgebaut und lie\u00dfen sie, und mit ihr auch uns, viel n\u00e4her als \u00fcblich an sich heran. Ein tolles Erlebnis. Und von wegen, rot reizt die Tiere. Mein Rot war offenbar eine Farbe, die N\u00e4he erlaubte. Wie das Rot der Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hy\u00e4nen rasen durch die K\u00fcche<\/strong><br>Die Tage im \u201eLloyds Camp\u201c boten aber noch einen weiteren H\u00f6hepunkt. Wenn man den H\u00f6hepunkt nennen kann, was eine Horde wilder Hy\u00e4nen in und mit einer K\u00fcche im Freien anstellte. Und vor allem: mit welchem Spektakel! Selbst mich brachten sie an die Grenze. Mitten in der Nacht begann pl\u00f6tzlich ein erb\u00e4rmliches Gejaule, dass es einen schaudern lie\u00df. Dazu knallte und schepperte es, als w\u00fcrden Dutzende Hy\u00e4nen die K\u00fcche auseinandernehmen und&nbsp; Blecht\u00f6pfe durch die Gegend schmettern. Jetzt verstanden auch meine Jungs, weshalb sie \u2013 tats\u00e4chlich! \u2013 Pissp\u00f6tte unter den Betten liegen hatten. F\u00fcr den Fall, dass sie des Nachts die Notdurft \u00fcberw\u00e4ltigen sollte.&nbsp; Die Toilette drau\u00dfen, so der Hinweis am Abend zuvor, sollte man nachts tunlichst nicht aufsuchen. Wenn man nun wei\u00df, dass Hy\u00e4nen das st\u00e4rkste Gebiss aller Tiere haben und nur die Zeltplane, gerade mal einige Millimeter dick, zwischen Ihnen und \u201emeinen Jungs\u201c als Trennwand existierte, konnte man schon vor Respekt und Schrecken erstarren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fast im Sand versackt<\/strong><br>Kaum war der Schrecken aus den Jungs und aus meinem Blechkleid gesch\u00fcttelt, gab\u2019s die n\u00e4chste kritische Situation. Nun wurde&nbsp; freilich vor allem &nbsp;ich auf die h\u00e4rteste Probe gestellt. Gut, der Mann an meinem Steuer musste \u201emitspielen\u201c, sprich: das, was ich im tiefen Sand zu leisten imstande war, fahrerisch gekonnt unterst\u00fctzen. Im bereits erw\u00e4hnten Stichwort-Tagebuch vermerkt mein Team zu dieser Situation nur kurz und knapp: \u201eSchrecklichste Stra\u00dfe\u201c. Vor und neben mir hatten sich bereits zwei \u201eKollegen\u201c, also Vierradantriebler, im Sand der Piste festgefahren. \u201eBlo\u00df nicht anhalten\u201c, blo\u00df nicht im Sand versinken, wurde gedacht und auch lauthals beschworen. Und es gelang: Ich kam durch und raus aus der Sandkiste. Aufatmen bei meinen Jungs und stolz bei mir! Nicht dass ich mich auf diesem Verdienst ausruhen wollte. Aber sch\u00f6n war\u2019s doch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Flug meiner Jungs \u00fcber die Victoria-F\u00e4lle<\/strong><br>Die Tage danach waren meine Jungs auch mal ohne mich unterwegs. Schlie\u00dflich braucht man auch keinen Patrol, wenn man die Victoria-F\u00e4lle bewundern will. Dass mein Trio dabei mal kurz fremd ging, war auch kaum zu vermeiden. Sie flogen n\u00e4mlich \u00fcber die F\u00e4lle, w\u00e4hrend ich mich ausruhen durfte. \u00dcbrigens war die Fahrt von Botswana nach Simbabwe kein Problem.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mit dem Schiff \u00fcber den Kariba-Stausee<\/strong><br>Dann ging\u2019s weiter. Tiere \u00fcberall. Ein Paradies. Eine ungew\u00f6hnlich \u201eerfolgreiche\u201c Fahrt in den \u201eHwange Nationalpark\u201c merkt das Tagebuch kurz an. Aber auch durch beeindruckende D\u00f6rfer konnte ich mein Trio kutschieren. H\u00fcgelige Landschaften zogen vorbei. Bis wir zum Kariba-Stausee kamen, auf dem wir, mit einer F\u00e4hre, einen Tag und eine Nacht lang unterwegs waren. Bis zum Ende dieses zweitgr\u00f6\u00dften Stausees der Erde. Von dort aus ging\u2019s nach Harare, der Hauptstadt Zimbabwes. Und \u00fcber Bulawajo in den \u201eKr\u00fcger- Nationalpark\u201c. Dort konnte ich endlich meinen ersten Leopard bewundern, der an einem toten Impala herumknabberte. In der Astgabel eines Baumes, hoch droben und kaum zu entdecken. L\u00f6wen lungerten auf unserem Weg. Eine Giraffe hatten sie erbeutet. Gnus und Zebras liefen mir vor die Schnauze, von Elefanten, Giraffen und Zebras ganz zu schweigen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mosambik nach brutalem B\u00fcrgerkrieg<\/strong><br>Eine Fahrt ganz besondere Art stand nun noch auf dem Afrika-Plan: Maputo, die Hauptstadt Mosambiks. An der Grenze galt mal wieder die Devise: \u201eEintrittspreis\u201c. Aber mein Carnet hielt stand. Ich durfte mit. Wie auch anders in einem Land, das damals noch sichtbar unter den Folgen eines grausamen B\u00fcrgerkriegs litt. Ortsschilder wiesen Schuss-L\u00f6cher auf, \u201eKollegen\u201c lagen als Wracks unbrauchbar am Stra\u00dfenrand. Die Menschen fuhren auf LKWs \u00fcbers Land. Busse gab es noch nicht wieder. Ich war froh, am Luxushotel \u201ePolana\u201c, das aus dem \u00fcberall sichtbaren Elend herausragte, erst mal verschnaufen zu k\u00f6nnen. Wahrscheinlich h\u00e4tte ich es auch gar nicht ertragen, das zu erleben, wovon mein Trio redete: Abends feierte, als lebten die Menschen&nbsp; im Schlaraffenland, eine portugiesische Firma ihr 100-j\u00e4hriges Bestehen. Mosambiks Pr\u00e4sident lie\u00df sich dabei hofieren, der Premierminister umschw\u00e4rmen. Und zum Schluss zierte ein Feuerwerk den Himmel \u00fcber dem Hotel &#8211; \u00fcber einem bitterarmen Maputo.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Abschied von Luxus und Elend<\/strong><br>Selbst ich war froh, wieder aufbrechen zu k\u00f6nnen. Raus aus dieser korrupten Umgebung, zur\u00fcck zu den Tieren \u2013 erstmal. Da war die Fahrt zur\u00fcck, zuerst nach S\u00fcdafrika, dann durch das von starkem Regen triefnasse Swasiland, dann wieder zur\u00fcck nach S\u00fcdafrika, geradezu eine Erholung. In Natal haben es mir, immer noch im Regen und auf aufgeweichten Pisten, die Nash\u00f6rner angetan. Nirgends sonst als hier, im \u201eHluhluwe\u201c &nbsp;und \u201eUmfolozi-Nationalpark\u201c, waren sie zahlreicher und selbstverst\u00e4ndlicher zu Hause. Im Nebel wirkten sie wie Lebewesen von einem anderen Stern. Dabei musste ich stets aufpassen, nicht in Schlamm und Wasser abzusaufen. Zwei Flussdurchfahrten machten freilich Spa\u00df. Und wer, wie ich, eine zweimonatige Afrika-Tour \u00fcber Savanne- und Steppen-Pisten, durch Fl\u00fcsse und tiefgr\u00fcndige Sandpisten unbeschadet \u00fcberstanden hat, darf sicher ein wenig stolz sein.Ich war\u2019s.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ende und Trennung in Durban<\/strong><br>Gut war auch, dass es meinen Jungens nicht gelang \u2013 das war freilich, wie ich h\u00f6rte, l\u00e4ngst vergessen \u2013, mich in S\u00fcdafrika los zu werden, sprich: mich zu verkaufen.&nbsp; Wir waren wohl zu eng zusammengewachsen. Kein Wunder, wenn man sich auf einander verlassen kann und muss. Aber dann kam doch eine schmerzhafte, wenn auch nur kurze Trennung: Ich wurde in Durban zur R\u00fcckreise nach Bremerhaven verabschiedet, w\u00e4hrend meine Jungs noch weiter, nach Kapstadt flogen und dort, ganz ohne mich, ein paar Tage verbrachten. Schon zwei Wochen sp\u00e4ter waren wir wieder vereint: Die beiden Jungs holten mich in Bremerhaven ab \u2013 und es ging zur\u00fcck, ins rheinische K\u00f6ln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Happy End in K\u00f6ln am Rhein<\/strong><br>Nun ist diese Geschichte freilich noch gar nicht zu Ende. Aus meiner Sicht kommt das Beste n\u00e4mlich ganz zum Schluss. Wie ein Happy End. Denn ehe ich, nach dem Motto: \u201eDer Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen\u201c, auf den Markt zum Verkauf geworfen wurde, griff, wie ein Wunder, einer der Jungs ein: \u201eSollen wir unseren Patrol nicht behalten?\u201c Und welch\u2019 Wunder: Ich durfte bleiben und bin nun, genau 20 Jahre nach unserem Afrika-Abenteuer, noch immer&nbsp; Mitglied des Dreigestirns. Und noch immer mit dem nun bereits historisch anmutenden Schild: K-AF 1997.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein kleines &#8222;Aber&#8220; bleibt<\/strong><br>Ein kleines \u201eAber\u201c bleibt: Seit Mitte 2017 stehe ich in einer Garage vor den Toren K\u00f6lns. Der &#8222;Diesel&#8220;, zu dessen Familie ich geh\u00f6re, hat sich zum Schwarzen Schaf der Gesellschaft entwickelt. Vielleicht darf ich aber vor den Toren des Molochs Gro\u00dfstadt mein \u201eGnadenbrot\u201c noch lange verzehren. Bis ich als \u201eOldtimer\u201c anerkannt werde und auch als Diesel\u2013 Rentner in die Innenstadt darf. Danke an die ungew\u00f6hnlichen Drei, dass ich mit Ihnen Afrika erobern durfte \u2013 und ich weiterleben darf. Als Rentner. <\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6lner Abenteurer durchfahren zwei Monate lang mit K-AF 1997 Savannen,Sandstrudel, Schlamm und B\u00e4che K\u00f6ln, im Juni 2019 &#8211; Es sind genau 22 Jahre her, dass ich, ein signalroter Patrol, das Abenteuer meines Lebens startete. 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