{"id":1456,"date":"2019-06-02T09:34:21","date_gmt":"2019-06-02T07:34:21","guid":{"rendered":"http:\/\/theaterfischer.de\/?p=1456"},"modified":"2019-06-12T10:19:08","modified_gmt":"2019-06-12T08:19:08","slug":"wetter-und-wind-hadden-vrij-spel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theaterfischer.de\/?p=1456","title":{"rendered":"Wetter und Wind \u201ehadden vrij spel&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><br>Bergen aan Zee &#8211; wo die Str\u00e4nde endlos scheinen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>Von <strong>G\u00fcnther Hennecke<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>Holland &#8211; \u201eWeer en wind hadden er vrij spel\u201c, und das Meer war \u201ealleen over een zandpad\u201c zu erreichen. Wir sind in Holland, exakt in Noordholland, n\u00f6rdlich von Amsterdam. Was einst so liebevoll beschrieben wurde, das \u201efreie Spiel\u201c f\u00fcr \u201eWetter und Wind\u201c, war damals, Anfang des 20. Jahrhundert, nur auf einem Sandpfad zu erreichen, als auch die D\u00fcnen \u201enur m\u00e4\u00dfig begr\u00fcnt\u201c waren. Die Rede ist von Bergen aan Zee.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Es war offensichtlich alles andere als ein Sehnsuchtsort, was Zeitgenossen hier beschreiben. Was dann 1906 begann, war zugleich der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Auch wenn Bergen aan Zee, damals allenfalls eine von Bergen Binnen aus gesehene Fata Morgana, auch heute noch alles andere als Promi-Land ist. Gottseidank, ist man geneigt zu sagen, gottseidank hat sich etwas &#8211; hinter D\u00fcnen riesigen Ausma\u00dfes &#8211; von dem erhalten, was die Berichte aus der Anfangszeit des kleinen Ortes am Meer erahnen lassen: eine Natur, die dem Besucher ihren Stempel aufdr\u00fcckt. Nicht umgekehrt.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Die hier lebenden Holl\u00e4nder wissen das ganz offenbar zu sch\u00e4tzen. Und die Familien und G\u00e4ste aus dem nahe gelegenen Rheinland und Ruhrgebiet ebenfalls. Hier ist Weite der Ma\u00dfstab, sich kilometerlang hinziehende breite Sandstr\u00e4nde laden nicht nur zum Faulenzen und Baden ein; und wenn\u2019s der untergehenden Sonne gef\u00e4llt, ist der Zauber einfach \u00fcberw\u00e4ltigend.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><br>Bis es freilich soweit war, vergingen &nbsp;Jahrzehnte. Selbst die hinter D\u00fcnen und Wald liegende, etwa vier Kilometer entfernte \u201eStammmutter\u201c des kleinen Ortes Bergen aan Zee, Bergen Binnen, heute ein kleinst\u00e4dtisches Kleinod, war zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestenfalls im Aufbruch begriffen. \u201eEin kleines liebliches D\u00f6rfchen mit noch geringem Wohlstand\u201c, steht \u00fcber Binnen in den Annalen. Und es hatte \u201egeen verbinding naar zee \u201c. Kein Wunder, gab es doch erst im Jahre 1901 \u201eAan de Breelaan\u201c die erste \u201eFamilienpension\u201c im damals, vier Jahre sp\u00e4ter, erst 1729-Einwohner-St\u00e4dtchen Bergen &#8211; heute Binnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><br>Doch es begann eine Zeit unaufhaltsamen \u00a0Aufbruchs. Auch wenn Massentourismus noch ein fernes Fremdwort war. Am 22. M\u00e4rz des Jahres 1906 hatten \u201eWind und Wetter\u201c zwar noch immer \u201efreies Spiel\u201c, aber sie umspielten seitdem einen \u201eWeg, ongeveer 3 km lang\u201c. Womit, wie es in der Chronik weiter hei\u00dft, \u201ede zee was nu bereikbaar\u201c, also erreichbar war.<br>\u00a0Damit nahm auch der Aufstieg des \u201eBadplaats\u201c namens Bergen aan Zee seinen Anfang. Auch wenn es, wie auch anders, noch ein paar Jahre dauerte, ehe sich das Volk, vor allem aber die Prominenz der Zeit ins Seeabenteuer st\u00fcrzte \u2013 wie k\u00f6stlich altv\u00e4terliche Fotos beeindruckend zeigen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/IMG_3372-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1512\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><br>Doch dann ging es rasend schnell \u2013 in der Zeit nach der Jahrhundertwende. 1907 wurde das Hotel \u201eNassau Bergen\u201c, noch heute unbestritten der auf einer D\u00fcne \u00fcberm Meer hockende Star von Bergen aan Zee, als Caf\u00e9- Restaurant er\u00f6ffnet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><br>Zwei Jahre sp\u00e4ter\u2013der \u201ePaad\u201c von 1906 war noch lange keine feste Stra\u00dfe \u2013 war Bergen Binnen mit seinem See-Bad \u00fcber eine Tram-Verbindung erreichbar. Die Jungfernfahrt, best\u00fcckt mit Stehkragen-Prominenz der Zeit, fand am 24. Juni 1909 statt. Wenig sp\u00e4ter war\u2019s dann auch mit dem Kerzenverbrauch in dunklen N\u00e4chten und Zeiten vorbei: Ab 1913 blitzten erstmals auch hier Gl\u00fchlampen auf. Die Tram-Verbindung verschwand \u00fcbrigens erst 1955 in der Versenkung, am 31. August 1955 verlie\u00df die \u201eallerlaatste tram&#8230;Bergen an Zee\u201c. Wie die Tram l\u00e4ngst vergessen ist, ist auch Kerzenlicht allenfalls noch gefragt, wenn man in einem der Restaurants Gem\u00fctlichkeit sucht.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Aber ehe es soweit ist, lockt der breite, sich nach Norden und S\u00fcden, Richtung Den Helder und Egmont aan Zee, gef\u00fchlte Unendlichkeiten &nbsp;ausbreitende feine Sandstrand. Und wenn\u2019s einen mal weder ins Wasser noch zu einer l\u00e4ngeren Strandwanderung lockt, laden die \u201ePaviljoens\u201c ein. Ob drinnen oder drau\u00dfen, ob hinter den Wind abweisenden Glasw\u00e4nden auf der oberen Terrasse, ob auf der frei und offen zur See einladenden unteren Terrasse, oder auf tief abgesenkten Sesseln: Der \u201ePaviljoen Zuid\u201c, auf Holzstelzen und Bohlen auf und \u00fcber dem Strand thronend, ist immer eine Pause, wert. Und wenn die untergehende Sonne verspricht, sich durch ganz besondere Rotschattierungen auszuzeichnen, geraten die Pavillonterrassen zu Logenpl\u00e4tzen f\u00fcr ein ganz besonderes Theater-B\u00fchnenbild.<\/p>\n\n\n\n<p><br>&nbsp;Bergen aan Zee ist ein unkompliziertes, von jeder Schickimicki-Welt unendlich weit entferntes \u00d6rtchen am Meer, versteckt zwischen D\u00fcnen. Ein Paradies sowohl f\u00fcr Erwachsene wie Kinder. Und wer\u2018s dann doch mal ein wenig anders will, den treibt es ins knapp vier Kilometer entfernt hinter den D\u00fcnen liegende Bergen Binnen. Mit seinen Caf\u00e9s, kleinen L\u00e4dchen und der das Zentrum bestimmenden Kirchen-Ruine, nicht selten Ort kultureller Highlights, l\u00e4dt das St\u00e4dtchen zum gem\u00fctlichen Verweilen geradezu ein. Und wen es nicht das ein oder andere Mal ins \u201eHuis met de Pilaren&#8220; verschl\u00e4gt, hat, ob drinnen oder drau\u00dfen, gesch\u00fctzt neben den wei\u00dfen S\u00e4ulen, den \u201ePilaren\u201c, eine mitrei\u00dfende M\u00f6glichkeit verpasst, diese \u00e4u\u00dferst liebenswerte Seite Hollands intensiv zu erleben. &nbsp; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bergen aan Zee &#8211; wo die Str\u00e4nde endlos scheinen Von G\u00fcnther Hennecke Holland &#8211; \u201eWeer en wind hadden er vrij spel\u201c, und das Meer war \u201ealleen over een zandpad\u201c zu erreichen. Wir sind in Holland, exakt in Noordholland, n\u00f6rdlich von Amsterdam. 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