{"id":1495,"date":"2019-06-03T18:50:09","date_gmt":"2019-06-03T16:50:09","guid":{"rendered":"http:\/\/theaterfischer.de\/?p=1495"},"modified":"2019-06-03T18:50:09","modified_gmt":"2019-06-03T16:50:09","slug":"das-geheimnis-von-zittrigi-faekke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theaterfischer.de\/?p=1495","title":{"rendered":"Das Geheimnis von &#8222;zittrigi f\u00e4kke&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><br><br> Ein Fremder erlebt bei und mit M\u00fcller-Drossaart die Sprache der Innerschweiz<br><br> Von <strong>G\u00fcnther Hennecke<\/strong><br><br> Z\u00fcrich &#8211; &#8222;Zittrigi f\u00e4kke&#8220;? Meine sprachliche Leidensf\u00e4higkeit wurde  wieder einmal auf eine harte Probe gestellt. &#8222;Zittrigi&#8220;? Das ging ja  noch. Aber &#8222;F\u00e4kke&#8220;? Dass auch kein nach der Bedeutung dieses Wortes  befragter Z\u00fcrcher dem \u00fcberforderten Ausl\u00e4nder dessen Sinn erkl\u00e4ren  konnte, liess den \u00a0ein wenig aufatmen. Erst eine geborene Nidwaldenerin  wusste Rat: &#8222;F\u00e4kke&#8220; bedeute &#8211; aber vor allem und fast nur in Obwalden! &#8211;  &#8222;Fl\u00fcgel&#8220;. <br> Obwohl mir ziemlich klar war, dass ich, wenn&#8217;s schon Z\u00fcrchern allein der  Begriff \u00a0&#8222;F\u00e4kke&#8220; ein sprachliches Geheimnis mit sieben Siegeln ist,  kaum ein Wort verstehen w\u00fcrde, reizte der Anlass: Der Schweizer Literat,  Autor und Schauspieler Hanspeter M\u00fcller-Drossaart bot, unter eben dem  Titel &#8222;zittrigi f\u00e4kke&#8220;, den &#8222;Kultur&#8220;-Anteil des Abendprogramms &#8222;Genuss  &amp; Kultur am See&#8220; im Restaurant \u201eSchiffl\u00e4nde\u201c in Maur am Greifensee.  Mit einem Programm, mit dem er einige Zeit lang durch die Lande zog.<br> Als h\u00e4tte M\u00fcller-Drossaart, lange Jahre als Schauspieler an der Wiener  Burg, dem Neumarkt-Theater und am Z\u00fcrcher Schauspielhaus  Ensemble-Mitglied, geahnt, dass er R\u00fccksicht auf den sprachlichen  Au\u00dfenseiter im Saal nehmen m\u00fcsste, brachte er Publikum und Saal erst  einmal mit Ringelnatz, Heinz Erhardt und anderen hochdeutsch  schreibenden Humor-Koryph\u00e4en in Schwung. So konnte ich lange mithalten  und schwamm mit auf einer Woge allseits verst\u00e4ndlicher Poesie des  Augenzwinkerns, und erfreute mich dabei mit Rotwein aus Portugal mit dem  &#8211; ebenfalls leicht verst\u00e4ndlichen &#8211; Namen &#8222;Fabelhaft&#8220;. <br> Das ging so lange gut, bis sich der ebenso die Szene darstellerisch  beherrschende und bestens mit dem \u00a0Publikum interagierende Autor nach  Obwalden verabschiedete. Rein sprachlich, versteht sich. Denn von nun an  ging&#8217;s bergab. Ebenfalls sprachlich, exakter: Ich verstand praktisch  nichts mehr. Nach ersten ernsthaften Versuchen gab ich&#8217;s auf, zumal  Obwaldener Feinheiten zwar k\u00f6stliches Gel\u00e4chter zu erzeugen vermochten,  f\u00fcr mich aber ein Buch mit mehr als sieben Siegeln blieben. <br> So verlegte ich mich aufs Beobachten der Verstehenden um mich herum und  die faszinierend lockere Pr\u00e4sentation einer mir sprachlich fremden Welt  durch den Autor aus Obwalden. Interessant, das sp\u00fcrte ich dabei einmal  mehr, dass man manches selbst dann begreift, wenn man kein Wort  versteht.<br> P.S.: Eine letzte Frage dr\u00e4ngte sich mir, dem neugierigen Journalisten  und studierten Germanisten, dann aber doch noch auf: Wie kommt ein  &#8222;M\u00fcller&#8220; aus der tiefsten Innerschweiz an den Zweitnamen &#8222;Drossaart&#8220;,  der ganz offensichtlich holl\u00e4ndischen Ursprungs ist? Dem Rheinl\u00e4nder in  mir und nahen Nachbarn der Niederlande war das schnell klar. Die L\u00f6sung  bot der Akteur selbst: Seine Frau Franziska hat ihn mit in die Ehe  gebracht. Als ich dann aber auch noch erfuhr, dass deren voller Name  &#8222;Drossaart van Dusseldorp&#8220; sei, war mir endg\u00fcltig klar, was mich an  diesem Abend (auch) auf &#8222;zittrigi f\u00e4kken&#8220; nach Maur gelockt hatte. Bin  ich doch selbst geborener D\u00fcsseldorfer und k\u00f6nnte mich also frech in des  Autors Ahnengalerie einreihen &#8211; als &#8222;Gunther van Dusseldorp&#8220;. So hiess  die Stadt am Rhein n\u00e4mlich mal im tiefsten Mittelalter. <br> Dann also ein sp\u00e4tes Helau! Es lebe der Humor! Auch wenn mir des  Entertainers Obwalden-Dialekt v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich blieb. Aber der  Charme! Danke!<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Fremder erlebt bei und mit M\u00fcller-Drossaart die Sprache der Innerschweiz Von G\u00fcnther Hennecke Z\u00fcrich &#8211; &#8222;Zittrigi f\u00e4kke&#8220;? Meine sprachliche Leidensf\u00e4higkeit wurde wieder einmal auf eine harte Probe gestellt. &#8222;Zittrigi&#8220;? Das ging ja noch. Aber &#8222;F\u00e4kke&#8220;? 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