{"id":1499,"date":"2019-06-03T19:01:03","date_gmt":"2019-06-03T17:01:03","guid":{"rendered":"http:\/\/theaterfischer.de\/?p=1499"},"modified":"2019-07-22T10:13:42","modified_gmt":"2019-07-22T08:13:42","slug":"aus-teufelsglut-erwaechst-eine-paradiesische-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theaterfischer.de\/?p=1499","title":{"rendered":"Aus Teufelsglut erw\u00e4chst eine paradiesische Welt"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>&nbsp;Bei hei\u00dfen Glas-Zauberern und auf einsamen Kloster-H\u00fcgeln&nbsp; Mallorcas<\/strong><br>Von <strong>G\u00fcnther Hennecke&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>Mallorca \u2013Es war schw\u00fcl in diesen Tagen auf Mallorca. Ungew\u00f6hnlich schw\u00fcl sogar. Nichts wollte so richtig trocknen. Ob Badesachen, Handt\u00fccher, Liegen: Die feuchte Luft drang in alle Poren. Da lockten die Hotel-Pools. Oder auch die Berge der Tranmontana im Norden der Insel. Doch die vermeintliche Flucht aus der Hitze in die Frische der bis zu 1300 Meter hohen Berglandschaft endete im Stau, richtiger: im Chaos: Denn offensichtlich hatten Hundertschaften anderer Touristen auch unsere Frische-Idee.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zur\u00fcck in eine fremde Welt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wer hier nicht zur\u00fcckzuckte, war wahrlich massentauglich. Ein Hauch von Arroganz lie\u00df uns dieser Masse nicht folgen. Also sofort zur\u00fcck in die Ebene, vorbei an Str\u00e4nden und Surfern, hinein ins Land, in dem sich der Tourist, besser: der Reisende endlich da wiederfinden durfte, wo er noch \u201eFremder\u201c war, Einzelreisender, bestenfalls Erforscher einer ihm noch fremden Welt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einsame Dorfer, dicke Mauern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Denn hier, hinter meist hochgezogenen Markisen und runtergelassenen Rollos, dicht verschlossenen Fenstern und Hoft\u00fcren, scheint die Welt still zu stehen. Kein Bauer war zu sehen, kein Kind, junge Menschen schon gar nicht. Waren sie alle in die Touristenburgen und Zentren geflohen? Dort, wo es besseres Einkommen f\u00fcrs Auskommen gibt? Einiges sprach daf\u00fcr, anderes lie\u00df Fragen offen. Im Zentrum der Insel, in den fruchtbaren Ebenen, blitzten, hinter den landestypischen Mauern aus beigem Naturstein verborgen, auch immer wieder kleine, kostbar scheinende H\u00f6fe auf, besser wohl: Fincas.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ermitage Santa Magdalena lockte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am Tag nach der Flucht aus dem Auto-Chaos am Mirador de Mal Pas und aus den engen Stra\u00dfen zum Cap de Formentor an der \u00e4u\u00dfersten, nord\u00f6stlichen Spitze der Insel, konnten und sollten uns nun Stille und Ruhe helfen, den Ferientagen eine eigene Qualit\u00e4t ab zu gewinnen. Da lockte zun\u00e4chst eine \u201eErmitage\u201c namens Santa Magdalena. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf einem H\u00fcgelchen, ganze 300 Meter \u00fcber der Ebene und wenige, wenn auch windig-gef\u00e4hrliche Kurven von der Autobahn nach Palma entfernt, nahe Inca, war dann Mu\u00dfe und Sehen unser Begleiter. Winzig klein das Kirchlein. Lang ist\u2019s her, dass hier eine Einsiedelei existierte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einsiedler suchte vor Jahrhunderten Schutz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einsam ist es an diesem Tag. Vielleicht so menschenleer&nbsp; wie einst, als sich, im 13. Jahrhundert, eine Gruppe von Einsiedlern auf den die weite Ebene \u00fcberragenden bewaldeten H\u00fcgel aufmachten. Selbst das Restaurant \u201ePuig de Santa Magdalena\u201c, etwas seitw\u00e4rts gelegen, ist dicht. Wir waren allein mit der Geschichte. Umso grandioser ist der Blick in die Weite der Ebene, wenn, wie zuf\u00e4llig, die Nachmittags-Sonne zwei wei\u00df schimmernde St\u00e4dte aus dem &nbsp;schattig-bew\u00f6lkten Dunkel drumherum herausfiltert \u2013 wie eine Fata Morgana.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wildwachsende Reben \u00fcber Kloster-Mauern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einsam ist es auch in dem gotischen, das nicht viel von sich hermacht, aber gerade&nbsp;&nbsp;dadurch beeindruckt. Wie aus der Zeit gefallen, scheinbar ganz dem Zufall \u00fcberlassen, empf\u00e4ngt den Besucher ein kleiner Innenhof neben der Beschaulichkeit der Kapelle. Ein zugedeckter Brunnen, daneben, so scheint es, ein kleineres Taufbecken. Wilde Weinreben&nbsp;\u00fcberwuchern&nbsp;die steinernen Mauern. Ein wildes G\u00e4rtchen, das \u00fcber die Zeit nachdenken l\u00e4sst. Auch ein Privileg, wenn man sich aufmacht, Mallorcas l\u00e4ndliches Herz kennenzulernen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weihnachtskrippe das ganze Jahr<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Spur war gelegt: Weg vom Massentourismus, hinein in die Ebenen des Landes. Was freilich, um sie von dort aus in ihrer ganzen Weite &nbsp;zu \u00fcbersehen, uns immer wieder zu Kl\u00f6stern auf Berge zieht. An diesem Tag lockte der \u201ePuig de Randa\u201c, mit seinen 542 Metern die h\u00f6chste Erhebung weithin. Gleich drei Kl\u00f6ster liegen oberhalb des reizenden St\u00e4dtchens Randa\u2013 und warten auf neuegierige Besucher. Das \u201eSanctuari de Cura\u201c ist unser Ziel. Eine im Vergleich zur Kirche der Heiligen Magdalena sehr majest\u00e4tisch sich ausbreitende Anlage. Gleichwohl ist auch hier die Kirche eher eine Kapelle. Mit einer \u2013 \u00dcberraschungen gibt es immer wieder \u2013 Weihnachtskrippe in grellbunten Farben. Mitten im September.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vom Frauenheld zum Missionar<\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hier lebte Ram\u00f3n Llull, zuvor Frauenheld und Genussmensch, fast zehn Jahre lang, nachdem er mit 30 Jahren auf allen Besitz verzichtete. Er wurde Missionar, der an die 250 literarische Werke verfasste, aber von Cura aus auch Reisen in die gesamte damalige Welt machte, neugierig zwischen Paris und Rom, Nahost und Sizilien pendelnd. Verehrung und Hochachtung der Mallorquiner gilt ihm bis heute. Heute vielleicht noch mehr als je zuvor. Er hat n\u00e4mlich, 1232 geboren, das Katalanische \u2013 \u00fcbrigens die originale, wenn auch stark mallorquinisch eingef\u00e4rbte Sprache der Insel-Bewohner \u2013 in den Rang einer Literatursprache erhoben. Latein war pass\u00e9 f\u00fcr den \u201eInselheiligen\u201c, der nur seelig und nie heilig gesprochen wurde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hei\u00dfe Glaskunst bekommt Gestalt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ram\u00f3n Llull? Den kannten wir doch? In einem Hinterhof nahe Algaida&nbsp;zeigt er sich \u2013 als eine H\u00e4nde und Blick nach oben reckende M\u00f6nchs-Statue. Aber was hei\u00dft Hinterhof? Er ist Teil einer grandiosen Anlage, die es in sich hat. Und zwar hei\u00df und gl\u00e4sern. Als ob die 30 Grad drau\u00dfen noch nicht reichten, gl\u00fchen zwei \u00d6fen mit offenen M\u00e4ulern vor sich hin. Und damit begann auch, was faszinierender kaum sein konnte. Es war die grandiose, ganz auf Arbeit eingestellt Glasmacher-Halle einer der \u00e4ltesten Glasfabriken in Mallorca, bereits seit 1719 im Besitz der alteingesessenen Familie Gordiola. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/email.t-online.de\/em\/bin\/service.mailbox\/delivermessagepart?folder=INBOX&amp;uId=108576709311348310&amp;mimePartId=2&amp;acceptRanges=1&amp;exifOrientation=1&amp;noSecureDelivery=1\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Das Wunder der schnellen Geburt&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Uns war auch hier das Schicksal hold. Nahezu alleine durften wir einem der Glasbl\u00e4ser, kaum hatte er uns im Blick und unsere Neugier gefesselt, bei seinem Handwerk zusehen. Handwerk? Wer einmal dabei war, kommt nicht um den Begriff \u201eKunst\u201c herum. Denn wie und was unser Kunst-Handwerker an k\u00fcnstlerisch\u2013handwerklichem Geschick aufbot, war gro\u00dfartig, bewundernswert. Mit einer kleinen Zange, einer Pinzette gleich, zupfte er so lange, bog und \u00e4nderte die rotgl\u00fchenden Glasf\u00e4den, die er aus dem roten Glasklumpen auf unnachahmliche Art hervorzauberte, bis das, was er vorhatte, mehr als erkennbar war. Eine Schnecke zuerst, wenig sp\u00e4ter, aus demselben immer noch rot gl\u00fchenden Klumpen, eine sich streckende Katze. Als er dann, wie aus dem Nichts, mit seiner Pinzette einen eleganten Toro, einen Stier zum k\u00fcnstlerischen Leben erweckt hatte, war klar: Den musste ich haben! 20 Minuten sp\u00e4ter geh\u00f6rt er mir. Ein handgemachtes Mini-Kunstwerk der <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/dlvr.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1646\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Extaklasse.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mallorca, Glaszentrum seit Ewigkeiten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass die historische Glasfirma Gordiola noch mit einem unermesslich gro\u00dfen Angebot an Tellern und Vasen, Lampen und ausladend schweren Kronleuchtern, eingespannt zwischen mitrei\u00dfendem Kitsch und bewundernswerten Kunst-St\u00fccken, in Bann schl\u00e4gt, sei nur angemerkt. Wer dieses Geb\u00e4ude und seine Gew\u00f6lbe, wirkend wie eine Schlossburg-Anlage aus klassischer Zeit, nicht neugierig betreten und sp\u00e4ter begl\u00fcckt wieder verlassen hat, dem fehlt einer der eindringlichsten Momente einer Reise nach Mallorca. Zumal die Insel zu den \u00e4ltesten Glaskunst-Zentren seit r\u00f6mischer Zeit geh\u00f6rt. Seit vielen Jahrhunderten \u00fcbrigens mit den Kollegen auf der venezianischen Insel Murano in sowohl freundschaftlicher wie k\u00e4mpferischer Konkurrenz.&nbsp;Krachende Gewitter&nbsp;und RegenmassenAls wollte sie uns unbedingt halten, uns zu &nbsp;weiteren ungew\u00f6hnlichen Entdeckungen verleiten, \u00fcberschlug sich die Insel in der Nacht vor unserem R\u00fcckflug mit stundenlangen schweren Gewittern. Pausenlos blitzte es, fegten Donner-T\u00f6ne \u00fcbers Polentia-Hotel, sch\u00fcttete Zeus uns mit K\u00fcbeln ganz und gar unolympischer Wassermassen zu.&nbsp;Auch am Morgen danach gab der oberste Olympier noch keine Ruhe. So zuckte und polterte das Unwetter unentwegt weiter. Dazu sch\u00fcttete es, dass wir allein auf dem kurzen Weg zum Mietwagen, der uns zum Flughafen bringen sollte, bis auf die Haut durchn\u00e4sst wurden. Denn gegen den peitschenden Regen kam selbst das sommerlich leicht \u00fcberdachte Elektro-W\u00e4gelchen des Hotels nicht an. Es wurde nicht gerade die &nbsp;gem\u00fctlichste Art, gen Heimat zu fliegen.Sommerliche Entspannung am GreifenseeAber wir schafften es: Nach einem \u00fcberraschend ruhigen Flug, bei Rotwein und Schnittchen, empfing uns Z\u00fcrich bei 26 Grad mit strahlendem Sonnenschein. V\u00f6llig trocken wurden wir freilich erst im G\u00e4rtchen des Restaurants \u201eKrone\u201c am Greifensee, wo wir uns am sp\u00e4ten Nachmittag&nbsp;von den mallorquinischen Strapazen erholen und entspannen konnten.Keine Sorge, Mallorca, wir kommen sicher wieder, um uns von dir \u00fcberraschen zu lassen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;Bei hei\u00dfen Glas-Zauberern und auf einsamen Kloster-H\u00fcgeln&nbsp; MallorcasVon G\u00fcnther Hennecke&nbsp; Mallorca \u2013Es war schw\u00fcl in diesen Tagen auf Mallorca. Ungew\u00f6hnlich schw\u00fcl sogar. Nichts wollte so richtig trocknen. Ob Badesachen, Handt\u00fccher, Liegen: Die feuchte Luft drang in alle Poren. Da lockten die Hotel-Pools. Oder auch die Berge der Tranmontana im Norden der Insel. Doch die vermeintliche &#8230; <a title=\"Aus Teufelsglut erw\u00e4chst eine paradiesische Welt\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/theaterfischer.de\/?p=1499\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Aus Teufelsglut erw\u00e4chst eine paradiesische Welt\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-1499","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-reisen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/theaterfischer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1499","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/theaterfischer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/theaterfischer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/theaterfischer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/theaterfischer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1499"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/theaterfischer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1499\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1648,"href":"https:\/\/theaterfischer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1499\/revisions\/1648"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/theaterfischer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1499"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/theaterfischer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1499"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/theaterfischer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1499"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}