{"id":2306,"date":"2021-03-18T09:24:38","date_gmt":"2021-03-18T07:24:38","guid":{"rendered":"http:\/\/theaterfischer.de\/?p=2306"},"modified":"2021-03-18T09:27:51","modified_gmt":"2021-03-18T07:27:51","slug":"kultur-fuer-alle-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theaterfischer.de\/?p=2306","title":{"rendered":"Kultur f\u00fcr alle"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vorurteile \u00fcber Bord!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Privater Reichtum bei \u00f6ffentlicher Armut ist eine Begleiterscheinung unserer Epoche. In Amerika \u00fcberlegen immer wieder St\u00e4dte, wertvolle Gem\u00e4lde, die &nbsp;&nbsp;ihre Museen zieren, zu verkaufen. In Detroit wurde das 2013 abgewendet. Mit gutem Grund meint Kito Nedo: &#8222;Welche Zukunft hat eine Stadtgesellschaft, welche die ihr anvertrauten Kultureinrichtungen auf diese Weise pl\u00fcndert?&#8220; , fragt er in der S\u00fcddeutschen Zeitung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieso pl\u00fcndert die Stadt ihr Museum? Sie kann das Original verkaufen und stattdessen eine Kopie in ihren Musentempel h\u00e4ngen. Wer merkt das? Kunstfreunde sind am Motiv interessiert, an der Manier des Malers, an der Epoche, in der er gemalt hat &#8211; warum sollten sie am Original interessiert sein?<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/1000Euro.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2308\" width=\"353\" height=\"265\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Dem Original wird oft eine besondere Aura zugeschrieben, die&nbsp; im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit des Kunstwerks abhanden gekommen ist, wie Walter Benjamin schon 1936 in seinem wegweisenden Aufsatz festgestellt hat. Wir k\u00f6nnen heute den Mann mit dem Goldhelm so genau kopieren, dass nicht einmal Fachleute die Kopie &nbsp;&nbsp;vom Original unterscheiden k\u00f6nnten. Und selbst wenn: der Wert des Bildes liegt doch in der Kunst Rembrandts, in der LichtSchatten-Technik &#8211; chiaroscuro! &#8211; oder was auch immer die in Mode befindlichen Kunsthistoriker f\u00fcr bemerkenswert erkl\u00e4ren. H\u00e4ngen Sie das Bild ins Museum, stellen Sie einen Bildschirm daneben und lassen Sie einen Film laufen \u00fcber Rembrandts Epoche, seine Manier, dieses Bild und was es heute bedeuten k\u00f6nnte. Das Original verkaufen Sie &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230; an eine reiche Frau oder einen Magnaten, der sich das Bild in seinen Salon h\u00e4ngen kann , um seine Mitmilliard\u00e4re zu beeindrucken &#8211; sei es mit seiner Kaufkraft, sei es mit seinem guten Geschmack. In Hannover hat ein Schokoladenmensch, der irgendwann eingesehen hat, dass das Geld, das er scheffelte, kein Ersatz f\u00fcr den Sinn (s)eines Lebens war, ein Museum finanziert, das jetzt seinen Namen tr\u00e4gt. Die Eitelkeit der K\u00fcnstler ist gro\u00df und wird nur von der der M\u00e4zene \u00fcbertroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Museen k\u00f6nnen ihre Sammlung ganz neu aufbauen &#8211; jedes Haus l\u00e4sst Kopien von Werken und Meistern erstellen, die gut zusammenpassen, Zusammenh\u00e4nge erl\u00e4utern &#8211; und nicht deshalb zuf\u00e4llig zusammenkommen, weil die Stadt gerade mal genug Geld hatte &#8211; oder eben keins. Die Direktoren der Galerie drehen Videos und lassen sie am Eingang abspielen, damit er oder sie den Besuchern ihres Hauses &nbsp;&nbsp;Zusammenh\u00e4nge erl\u00e4utern k\u00f6nnen. Es wird so viele Unterschiede geben, wie &nbsp;&nbsp;Direktoren, deren Auffassungen und deren Geschm\u00e4cker. Variatio delectat.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher sammelten F\u00fcrsten Gem\u00e4lde und besch\u00e4ftigten bekannte Maler des Prestiges wegen. Der Feudalismus ist vorbei, die Torheiten der Aristokraten m\u00fcssen wir nicht fortf\u00fchren, in unserm Zeitalter geht es den Gemeinwesen, den St\u00e4dten, den L\u00e4ndern, die die Museen tragen, nicht mehr darum, Konkurrenten auszustechen &#8211; oder sollte es zumindest nicht. Die Galerien sollten sich in den Dienst ihrer neuen Herren stellen, der Steuerzahler*innen, und sollten sie preiswert mit den Perlen der Kunst bekannt machen &#8211; das geht prima ohne &nbsp;&nbsp;Originale.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberdies w\u00fcrden die v\u00f6llig aus dem Ruder gelaufenen Preise f\u00fcr Bilder vermutlich wieder vern\u00fcnftig(er) werden &#8211; wenn viele Gem\u00e4lde auf den Markt dr\u00e4ngen, sinkt der Preis: Angebot und Nachfrage. Kunsth\u00e4ndler werden gewiss den einmaligen Wert des Originals beteuern &#8211; Erkenntnis und Interesse. Wenn keiner mehr einem Kunsth\u00e4ndler glaubt, steigt die Geschmackssicherheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Also: Verkauft frisch unsere Originale! Bezahlt unsere Schulden! Gebt mal einem zeitgen\u00f6ssischen begabten jungen Maler ein anst\u00e4ndiges Honorar. Und wenn ein Kunstfreund klagt:&nbsp; &#8222;pl\u00fcndern&#8220; &#8211; kann ihm jede*r Steuerzahler*in getrost erwidern: Nix und niemand &nbsp;wird &#8222;gepl\u00fcndert&#8220;. Wir bringen unsere Kunsttempel nur auf den Stand von heute. F\u00fcr alle, f\u00fcr Kunstfreund*innen von heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Kultur f\u00fcr alle!<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ulrich Fischer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorurteile \u00fcber Bord! Privater Reichtum bei \u00f6ffentlicher Armut ist eine Begleiterscheinung unserer Epoche. In Amerika \u00fcberlegen immer wieder St\u00e4dte, wertvolle Gem\u00e4lde, die &nbsp;&nbsp;ihre Museen zieren, zu verkaufen. 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