{"id":231,"date":"2015-05-14T13:38:19","date_gmt":"2015-05-14T11:38:19","guid":{"rendered":"http:\/\/theaterfischer.de\/?p=231"},"modified":"2019-06-02T20:31:23","modified_gmt":"2019-06-02T18:31:23","slug":"glueck-schwein-und-ein-vierblaettriges-kleeblatt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theaterfischer.de\/?p=231","title":{"rendered":"Gl\u00fcck, Schwein und ein vierbl\u00e4ttriges Kleeblatt"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Christoph Nu\u00dfbaumeder, ein bayerischer Volksdramatiker mit Pranke<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>RECKLINGHAUSEN. Christoph Nu\u00dfbaumeder stammt, wie einige ber\u00fchmte gesellschaftskritische Dramatiker \u2013 z. B. Bertolt Brecht, Franz Xaver Kroetz- aus Bayern. Er wurde 1978 in Eggenfelden geboren und tats\u00e4chlich schon nach seinem Dramatikerdebut &#8222;Mit dem Gurkenflieger in die S\u00fcdsee&#8220; in die N\u00e4he von Kroetz ger\u00fcckt. Der &#8222;Gurkenflieger&#8220;, ein engagiertes St\u00fcck \u00fcber das Leben von Landarbeitern, wurde 2005 bei den Ruhrfestspielen uraufgef\u00fchrt. Das Talent des jungen Dramatikers wurde sofort erkannt, seine St\u00fccke ihm aus der Hand gerissen und an erstklassigen Theatern wie der Berliner Schaub\u00fchne oder dem Schauspielhaus K\u00f6ln gespielt. Die Ruhrfestspiele blieben Nu\u00dfbaumeder treu, 2013 pr\u00e4sentierten das vom Deutschen Gewerkschaftsbund mitgetragene Festival die Urauff\u00fchrung von &#8222;Mutter Kramers Fahrt zur Gnade&#8220;. Der hoffnungsvolle Anf\u00e4nger hatte sich in einen angesehenen und erfolgreichen Dramatiker der j\u00fcngeren Generation verwandelt, als am Mittwoch die Ruhrfestspiele in Koproduktion mit den Sophiens\u00e6len Berlin die Urauff\u00fchrung &#8222;Von Affen und Engeln&#8220; pr\u00e4sentierten \u2013 in der Halle K\u00f6nig Ludwig 1\/2, der auf Urauff\u00fchrungen spezialisierten Werkstattb\u00fchne der Ruhrfestspiele.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tingeltangel<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Von Affen und Engeln&#8220; ist ein Volkstheaterst\u00fcck, es spielt auf einem Berliner Weihnachtsmarkt. Die Arbeit ist miserabel, schlecht angesehen, wer hier als Weihnachtsmann oder Hauptmann von K\u00f6penick auftritt, hat nichts zu lachen, wer hier Geschenke oder W\u00fcrstchen feil bietet, wird doppelt ausgebeutet. Nach der Standmiete kassiert die Marktleiterin noch einmal ab und errichtet ein heimliches \u00dcberwachungssystem. Versuche der Betroffenen, sich dagegen zum Streik zusammenzuschlie\u00dfen, bleiben stecken. Einem von ihnen, einem Sonderling, gelingt es, Hoffnung zu wecken: Er will ganz neue Energien nutzbar machen, besser als das Perpetuum mobile. Ein genialer Erfinder? Wohl nur ein Scharlatan. Doch der Aufschwung hat bewiesen: Trotz oder gerade wegen aller schlechten Erfahrungen gibt es ein Potential von Hoffnung \u2013 bei allen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nu\u00dfbaumeder w\u00e4hlt als zentrale Metapher f\u00fcr die Welt den Jahrmarkt, wo Bertolt Brecht noch das Schlachthaus (&#8222;Heilige Johanna der Schlachth\u00f6fe&#8220;) bevorzugt hatte. Den Lichtblick, der darin liegt, r\u00fcckt Bernarda Horres, die Regisseurin, in den Mittelpunkt der Urauff\u00fchrung. Die Hoffnung wird in der besten Szene beschworen, sie wird in Form eines \u00fcberlebensgro\u00dfen gesattelten rosaroten Plastikgl\u00fccksschweins sichtbar, das ergl\u00fchen kann wie das vierbl\u00e4ttrige giftgr\u00fcne Kleeblatt, das es in der Schnauze tr\u00e4gt. Den anderen Szenen fehlt dieser Witz, das achtk\u00f6pfige Ensemble gibt sich M\u00fche, wirkt trotzdem aber oft unnat\u00fcrlich, h\u00f6lzern, gek\u00fcnstelt. Nur Fritz, ein ehemaliger Schauspieldirektor, wirkt glaubhafter; er wird von Alfred Kirchner, einem ehemaligen Schauspieldirektor verk\u00f6rpert \u2013 eine reizvolle Doppelung von Leben &amp; Kunst. Trotzdem: Das St\u00fcck ist besser als die Inszenierung.<\/p>\n<p>Nu\u00dfbaumeder kam zur Urauff\u00fchrung nach Recklinghausen und nahm gemeinsam mit dem Ensemble den freundlichen Schlussbeifall entgegen. Seine n\u00e4chste Urauff\u00fchrung hat das Schauspielhaus Bochum schon f\u00fcr den 12. September angek\u00fcndigt: \u201eDas Fleischwerk\u201c. Die Sterne stehen g\u00fcnstig, das Schauspiel Bochum ist ungleich leistungsf\u00e4higer als die Sophiens\u00e6le aus Berlin.<\/p>\n<p>Ulrich Fischer<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auff\u00fchrungen:15. Mai &#8211; Die Auff\u00fchrung ist eine Koproduktion mit dem Sophiens\u00e6len Berlin und wird ab 4. Dez. \u00fcbernommen. Spieldauer: 2 Std.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kartentelefon: 02361 9218 &#8211; 0 &#8211; Internet: www.ruhrfestspiele.de<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Christoph Nu\u00dfbaumeder, ein bayerischer Volksdramatiker mit Pranke &nbsp; RECKLINGHAUSEN. Christoph Nu\u00dfbaumeder stammt, wie einige ber\u00fchmte gesellschaftskritische Dramatiker \u2013 z. B. Bertolt Brecht, Franz Xaver Kroetz- aus Bayern. Er wurde 1978 in Eggenfelden geboren und tats\u00e4chlich schon nach seinem Dramatikerdebut &#8222;Mit dem Gurkenflieger in die S\u00fcdsee&#8220; in die N\u00e4he von Kroetz ger\u00fcckt. 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