{"id":2316,"date":"2021-05-04T08:45:24","date_gmt":"2021-05-04T06:45:24","guid":{"rendered":"http:\/\/theaterfischer.de\/?p=2316"},"modified":"2021-05-05T16:53:36","modified_gmt":"2021-05-05T14:53:36","slug":"scharfsinnig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theaterfischer.de\/?p=2316","title":{"rendered":"Scharfsinnig"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Klaus Modicks &#8222;Die Schatten der Ideen&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Den Konflikt zweier Kr\u00e4fte r\u00fcckt Klaus Modick ins Zentrum seines spannenden Romans &#8222;Die Schatten der Ideen&#8220;: Den freien B\u00fcrger auf der einen Seite, auf der anderen die wohlt\u00e4tigen Einrichtungen der Regierung der Vereinigten Staaten zum Schutz der Freiheit.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"225\" height=\"225\" src=\"https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Modick.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2320\" srcset=\"https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Modick.jpg 225w, https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Modick-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><figcaption>Klaus Modick<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Moritz Carlsen, ein deutscher Schriftsteller, bekommt in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Einladung an eine amerikanische Provinzuniversit\u00e4t, als &#8222;Writer in Residence&#8220; ein halbes Jahr zu arbeiten &#8211; er f\u00e4hrt gern, das Arrangement ist ansehnlich dotiert. In dem H\u00e4uschen, &nbsp;&nbsp;ihm als &#8222;Residence&#8220; zugewiesen, entdeckt er im Keller (!) hinter einem Regal (!!) in einer Nische (!!!) alte, vergilbte Aufzeichnungen. Klaus Modick ist Anglist &#8211; und er spielt lustvoll auf englischsprachige Romane an, die den Zugang zu einer anderen Welt gleich zu Haus ansiedeln, gern mal hinter dem Wandschrank, hier eben hinterm KellerRegal.<\/p>\n\n\n\n<p>Moritz wird von seiner Schreibblockade erl\u00f6st, denn in den Aufzeichnungen findet er den Lebenslauf eines Professors, der vor ihm in dem H\u00e4uschen gelebt hat; von den Nazis als &#8222;Jude&#8220; verfolgt fand er Zuflucht in den Vereinigten Staaten &#8211; sein Lebenslauf ist ein Fluch auf die Nazis und Deutschland. Nach dem Sieg 1945 wurde er Opfer der faschistische Str\u00f6mungen im Land der Freien und Tapferen. &nbsp;Die McCarthy-\u00c4ra wird ihm zum Verh\u00e4ngnis. Er wird als Kommunist denunziert &#8211; das Verh\u00f6r ist einer der gelungensten Teile des Romans &#8211; grausig. Sie Szene erinnert an Caprichos von Goya.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kommunistenj\u00e4ger wissen nicht, wovon sie reden, wenn sie den Kommunismus zu Sprache bringen, dennoch (oder deswegen?) verurteilen sie &nbsp;ihr Opfer, einen in der Wolle gef\u00e4rbten Liberalen, zu einem Jahr Haft.<\/p>\n\n\n\n<p>Dahinter steckt eine durchsichtige Intrige, sein Posten als Professor ist schon vom Denunzianten besetzt, als der deutsche Emigrant noch gar nicht im Gef\u00e4ngnis gelandet ist &#8211; und diese Intrige wirkt nach. Der Intrigant hat kein Interesse, dass seine Untat ans Licht des Tages kommt, l\u00e4sst deswegen sein Opfer nach der Entlassung aus dem Gef\u00e4ngnis ermorden und vertuscht, so gut es geht, seine Spuren.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Moritz kommt ihm, dank der Dokumente hinterm Regal im Keller, auf die Schliche. Auch Moritz wird noch angegriffen und eingesch\u00fcchtert &#8211; aber zu sp\u00e4t, &nbsp;vergebens:<\/p>\n\n\n\n<p>Vor uns, den Lesern, liegen &#8222;Die Schatten der Ideen&#8220;, die kriminelle Machenschaften der McCarthy-Leute aufgedeckt und mancher Leser wird vielleicht Zweifel bekommen, ob das FBI und die CIA\u00a0 unsere wirklich Freiheit verteidigen &#8211; oder andere Ziele verfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist aber auch der einzige Mangel an diesem Buch. Es ist eine Liebeserkl\u00e4rung an Amerika &#8211; wenn auch vielleicht nur an einen Teil. Ein anderer wird skizziert &#8211; und wer, wie ich, diesen Roman, den Klaus Modick 2006 &#8211; 2008 geschrieben hat, heute (2014) liest, merkt, dass der Gro\u00dfe Pr\u00e4sident nicht aus dem Nichts kam und auch nicht im Nichts versunken ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Modick hat wieder einen antifaschistischen Roman geschrieben. Er warnt!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ulrich Fischer<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Modick: <em>Der Schatten der Ideen.<\/em> 455 S. kosten 19,95 \u20ac .<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klaus Modicks &#8222;Die Schatten der Ideen&#8220; Den Konflikt zweier Kr\u00e4fte r\u00fcckt Klaus Modick ins Zentrum seines spannenden Romans &#8222;Die Schatten der Ideen&#8220;: Den freien B\u00fcrger auf der einen Seite, auf der anderen die wohlt\u00e4tigen Einrichtungen der Regierung der Vereinigten Staaten zum Schutz der Freiheit. 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