{"id":2331,"date":"2021-05-09T18:52:17","date_gmt":"2021-05-09T16:52:17","guid":{"rendered":"http:\/\/theaterfischer.de\/?p=2331"},"modified":"2021-05-09T18:53:02","modified_gmt":"2021-05-09T16:53:02","slug":"taugenichtse-nichtsnutze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theaterfischer.de\/?p=2331","title":{"rendered":"Taugenichtse &#038; Nichtsnutze"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Klaus Modicks &#8222;Fahrtwind&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Modick hat mit &#8222;Fahrtwind&#8220; Joseph von Eichendorffs &#8222;Aus dem Leben eines Taugenichts&#8220; \u00fcberschrieben. Eichendorffs Erz\u00e4hlung spielt im fr\u00fchen 19., Modicks Roman im sp\u00e4ten 20. Jahrhundert, in den Siebziger Jahren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Modick-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2332\" width=\"318\" height=\"318\" srcset=\"https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Modick-2.jpg 225w, https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Modick-2-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 318px) 100vw, 318px\" \/><figcaption>Klaus Modick<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ein junger Mann soll Nachfolger seines erfolgreichen Vaters, eines Unternehmers, werden, er soll die Firma \u00fcbernehmen, t\u00fcchtig und wohlhabend wie Papi werden. Aber er hat keinen Bock, sich den ewigen Mahnungen der Eltern auszusetzen. Also packt er seine Gitarre und zieht los, gegen S\u00fcden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer Freude am Vergleich hat, kann die verschiedenen Stationen von Modicks jungem Helden wiedererkennen in denen von Eichendorffs &#8222;Taugenichts&#8220;, die Konstruktion der Fabel ist ganz \u00e4hnlich. &nbsp;Im Zentrum steht eine wunderbare Liebesgeschichte, umrankt von einf\u00fchlsamen Landschaftsbeschreibungen, Aufkl\u00e4rung \u00fcber die Arbeitsbedingungen junger Musiker und die Sehns\u00fcchte alter Menschen nach dem Trost von Genuss und Erotik.&nbsp; Aber Modick bel\u00e4sst es nicht mit dem Nachvollzug, mit der \u00dcbersetzung vom 19. ins 20. Jahrhundert, er sch\u00fcrft tiefer. Es geht um eine \u00c4hnlichkeit der Grundauffassung, was wichtig ist im Leben. Und da wagt Modick sich aufs Eis &#8211; er schm\u00fcckt seine Erz\u00e4hlung wie Eichendorff mit Gedichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei spielt Modick nicht nur auf Lyrik der Beatles und anderer Popgr\u00f6\u00dfen an, er dichtet auch selbst &#8211; Eichendorff genie\u00dft l\u00e4ngst (nicht nur) in Germanistenkreisen h\u00f6chstes Ansehen, wer wagt es, sich mit ihm zu messen? Nicht immer gelingt es Modick, aber doch mit seinem zentralen Gedicht. Der Refrain lautet: &#8222;Gestern ist Vergangenheit\/Bis morgen ist noch lange Zeit\/Hier und heute tanzt das Gl\u00fcck\/Jetzt in jedem Augenblick.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Darum geht es, um das Gl\u00fcck, darum, den Augenblick zu erhaschen, zu genie\u00dfen, ihn nicht zu verfehlen, weil man der Vergangenheit nachh\u00e4ngt oder auf die Zukunft hofft, vielleicht sich auch vor ihr f\u00fcrchtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gelingt im &#8222;Fahrtwind&#8220;, es gibt diese gegl\u00fcckten Momente, Modicks Plaidoyer \u00fcberzeugt, ja, bei seinem Gedicht \u00fcber den Augenblick entz\u00fcckt es.<\/p>\n\n\n\n<p>Modick erfreut aber nicht nur, er belehrt auch. Mutti und Papi halten nix vom Pop, Modick dagegen sch\u00e4tzt ihn wie sein Protagonist hoch, setzt seinen Kapitel kurze Zitate voran: von John Lennon und Paul McCartney, von Vito Pallavicini (&#8222;Azzurro&#8220;) und Bob Dylan, um nur vier von vielen zu nennen. Diese Musiker, ausgewiesene Taugenichtse und Nichtsnutze, seien die Troubadoure, die Eichendorffs seiner Generation (Modick wurde gerade siebzig, herzlichen Gl\u00fcckwunsch). Modick nennt gute Gr\u00fcnde, sie anzuerkennen, neu und hoch zu bewerten. Liebe und Frieden, die sie besingen &amp; beschw\u00f6ren, gewiss das ist alles ziemlich flach &#8230; Wirklich? W\u00e4ren wir nicht besser gefahren, h\u00e4tten wir Liebe und Frieden zur Maxime unseres Handelns gemacht? Ganz platt?<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Modick hat gehaltvollere Geschichten als &#8222;Fahrtwind&#8220; geschrieben, z.B. &#8222;Der Schatten der Ideen&#8220; und andere antifaschistische Romane, &#8222;Fahrtwind&#8220; dagegen ist wunderbar leicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu leicht. Vielleicht?<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ulrich Fischer<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Modick: <em>Fahrtwind. <\/em>195 S. kosten 20,00 \u20ac . &#8211; E-Book 16,99 \u20ac<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klaus Modicks &#8222;Fahrtwind&#8220; Klaus Modick hat mit &#8222;Fahrtwind&#8220; Joseph von Eichendorffs &#8222;Aus dem Leben eines Taugenichts&#8220; \u00fcberschrieben. Eichendorffs Erz\u00e4hlung spielt im fr\u00fchen 19., Modicks Roman im sp\u00e4ten 20. 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