{"id":2340,"date":"2021-05-21T14:58:59","date_gmt":"2021-05-21T12:58:59","guid":{"rendered":"http:\/\/theaterfischer.de\/?p=2340"},"modified":"2021-05-25T11:16:36","modified_gmt":"2021-05-25T09:16:36","slug":"terror-gegenterror","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theaterfischer.de\/?p=2340","title":{"rendered":"Terror &#038; Gegenterror"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ian McGuire &#8222;Der Abstinent&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zehn Seiten vor Ende k\u00f6nnte Ian McGuire seinen neuen Roman &#8222;Der Abstinent&#8220; gut, positiv, optimistisch enden lassen, aber dann&#8230;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/McGuire_Paul-Wolfgang-Webster_6453_500px_6453.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2347\" width=\"377\" height=\"556\" srcset=\"https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/McGuire_Paul-Wolfgang-Webster_6453_500px_6453.jpg 500w, https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/McGuire_Paul-Wolfgang-Webster_6453_500px_6453-204x300.jpg 204w\" sizes=\"auto, (max-width: 377px) 100vw, 377px\" \/><figcaption>Ian McGuire &#8211; Foto: \u00a9 Paul Wolfgang Webster<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der Abstinent, der dem Roman seinen Namen gibt, hei\u00dft James O&#8217;Connor, lebt Mitte des 19. Jahrhunderts, und ist Polizist. In Dublin hat er wegen einer Krise angefangen zu trinken und wird von einem wohlwollenden Chef weggelobt, nach England, nach Manchester. Er entschlie\u00dft sich, abstinent zu werden und f\u00e4ngt neu an. Manchesters absto\u00dfende, korrupte, dumme, hochm\u00fctige und gewaltt\u00e4tige Polizei setzt ihn ein, die (selbstmurmelnd verbotene) irische Freiheitsbewegung zu \u00fcberwachen. Die Situation spitzt sich zu, als die Briten drei irische Freiheitsk\u00e4mpfer \u00f6ffentlich h\u00e4ngen &#8211; die Befreiungsbewegung beruft einen amerikanischen Gesinnungsgenossen und Spezialisten, um mit einer &nbsp;&nbsp;spektakul\u00e4ren Racheaktion den Briten zu zeigen, dass ihre Macht angreifbar ist. Stephen Doyle, der es im amerikanischen B\u00fcrgerkrieg zum Captain gebracht hat, reist \u00fcber den Gro\u00dfen Teich &#8211; &nbsp;&nbsp;der gr\u00f6\u00dfte Teil des Roman beschreibt Zug und Gegenzug von britischen Staatsterroristen und irischen Gegenterroristen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Das liest sich au\u00dferordentlich spannend; McGuire geht ins Detail und zeigt, wie einfallsreich die Iren und wie stumpf die Briten sind. Der irische Anschlag auf den B\u00fcrgermeister von Manchester misslingt, aber drei andere Engl\u00e4nder m\u00fcssen ihr Leben lassen. Die Briten versagen bei ihrer Fahndung nach den irischen Feinden, weil ihre F\u00fchrung sich mit Konkurrenzk\u00e4mpfen verzettelt. Stephen Doyle gl\u00fcckt die R\u00fcckkehr nach Amerika. McGuire beweist hier viel Humor, den von der trockenen irischen Art.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende folgt O&#8217;Connor Doyle nach Amerika, nimmt seine Spur auf, aber einen Moment, bevor er den Feind umbringen k\u00f6nnte, h\u00e4lt er inne &#8211; ihm wird die Unsinnigkeit der ganzen Aktionen klar, er bricht ab. Doch zu sp\u00e4t, Doyle hat bemerkt, wie gef\u00e4hrlich nahe O&#8217;Connor ihm gekommen ist, stellt und erschie\u00dft ihn.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl der Abstinent tot ist, schreibt McGuire weiter &#8211; &nbsp;&nbsp;das Ende ist ein wilder, widerw\u00e4rtiger und bizarrer Mischmasch aus Gottesfurcht, Schwulenprostitution und amerikanischer Heuchelei in San Francisco &#8211; vor dem gro\u00dfen Brand und Erdbeben &nbsp;&nbsp;(18. April 1906), vor denen ein prophetischer Sch\u00fctzling O&#8217;Connors lang nach dessen Tod die S\u00fcnder der Stadt in apokalyptischen Predigten (vergeblich) warnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lekt\u00fcre lohnt, weil McGuire untersucht, analysiert und abw\u00e4gt, wie sich das verh\u00e4lt mit dem Terrorismus &#8211; wie verr\u00fcckt er ist und doch unausweichlich, wenn der Sinn f\u00fcr Gerechtigkeit so schwer verletzt wird wie im Kampf der Briten um die Herrschaft \u00fcber die Iren. McGuire schreibt treffend, kurze S\u00e4tze, schwarz, lakonisch &#8211; und Jan Sch\u00f6nherrs makellose \u00dcbersetzung trifft diesen Ton.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Briten kommen schlecht weg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ulrich Fischer<\/p>\n\n\n\n<p>Ian McGuire: <em>Der Abstinent.<\/em> Aus dem Englischen von Jan Sch\u00f6nherr. 334 S. kosten 23,00 \u20ac .<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ian McGuire &#8222;Der Abstinent&#8220; Zehn Seiten vor Ende k\u00f6nnte Ian McGuire seinen neuen Roman &#8222;Der Abstinent&#8220; gut, positiv, optimistisch enden lassen, aber dann&#8230; Der Abstinent, der dem Roman seinen Namen gibt, hei\u00dft James O&#8217;Connor, lebt Mitte des 19. Jahrhunderts, und ist Polizist. 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