{"id":2495,"date":"2021-12-22T05:05:17","date_gmt":"2021-12-22T03:05:17","guid":{"rendered":"http:\/\/theaterfischer.de\/?p=2495"},"modified":"2021-12-22T05:05:17","modified_gmt":"2021-12-22T03:05:17","slug":"bauloewen-besiegt-und-raeterepublik-ausgerufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theaterfischer.de\/?p=2495","title":{"rendered":"<strong>Baul\u00f6wen besiegt und R\u00e4terepublik ausgerufen<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<strong>AufRuhr\u201c von Christine Lang, Volker L\u00f6sch und Ulf Schmidt, Urauff\u00fchrung im Schauspiel Essen <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>von <strong>Martin Burkert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Volker L\u00f6sch ist bekannt f\u00fcr entschiedenes politisches Theater, bei dem er Regie f\u00fchrt und als Co-Autor mitwirkt. Mehrere St\u00fccke von ihm sind aktuell auf mehreren B\u00fchnen zu sehen, etwa am D\u00fcsseldorfer Schauspielhaus \u201eVolksfeind for Future\u201c und am Schauspiel Bonn \u201eAngst\u201c. Nun kann man im Schauspiel Essen einen weiteren \u201eL\u00f6sch\u201c begutachten. \u201eAufRuhr\u201c hat er gemeinsam mit Christine Lang und Ulf Schmidt geschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Grillo-Theater ist kaum wiederzuerkennen. Es ist umgestaltet zur Raumb\u00fchne. Die Schauspielerinnen und Schauspieler agieren zwischen den Zuschauern, die auf Drehhockern sitzen. Rundum h\u00e4ngen 10 m\u00e4chtige Leinw\u00e4nde, auf die Videos oder historische und aktuelle Dokumente projiziert werden. Wir sehen ramponierte H\u00e4user im Norden der Stadt und schicke Villen im S\u00fcden, auch Bilder vom Ruhr-Arbeiter-Aufstand von 1920. Jugendliche bekennen in Videoclips ihre Sympathie f\u00fcr Fridays for Future oder die Hambacher Forst-Aktivisten und sind dabei nicht sparsam mit Kapitalismus-Kritik. Ein Gro\u00dfprojekt, wie es im St\u00fcck der fiktive Essener Oberb\u00fcrgermeister propagiert, finden sie sozial und \u00f6kologisch fatal, w\u00e4hrend der erste B\u00fcrger der Stadt sich in seiner Diktion gar an Martin Luther King orientiert: &nbsp;<em>Meine lieben Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger, ich habe einen Traum f\u00fcr Essens Zukunft. Gehen Sie mit mir in eine neue Zeit, in ein neues, besseres Leben.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Traum des ehrgeizigen Oberb\u00fcrgermeisters hei\u00dft \u201eEssen 5.0\u201c, ein gigantisches Umbauprojekt, das den armen Essener Norden aufh\u00fcbschen und neuen Wohnraum schaffen soll. Mit Hilfe einer Dollar-verliebten Investorin und einer r\u00fccksichtslosen Bauunternehmerin sollen Sozialwohnungen verschwinden und Hochglanzlofts entstehen. Doch der Plan geht nicht auf. Die Mieter wehren sich, repr\u00e4sentiert durch den Ruhrpott-Rentner Grube, den Blogger Dimitrij, die idealistische Bauunternehmer-Tochter Lena sowie die Deutsch-Kurdin Adile. Im Showdown f\u00fchrt das zu b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Zust\u00e4nden, die der Nazi-Parolen br\u00fcllende Polizeikommissar als \u201edie Schlacht um Essen-Altendorf\u201c erkl\u00e4rt. Am Ende gibt\u2019s gleich zwei Wunder. Die Baul\u00f6wen geben auf und die Aktivisten proklamieren die R\u00e4terepublik.<\/p>\n\n\n\n<p>Regisseur und Co-Autor Volker L\u00f6sch zeigt einmal mehr inhaltlich klare Kante, Kapitalismus-Kritik mit unverstelltem Pl\u00e4doyer f\u00fcr basisdemokratisches Denken und Handeln. \u00c4sthetisch setzt er auf \u201edemokratisches Theater\u201c. Spielende und Zuschauende befinden sich auf einer Ebene, Film und Schauspiel wirken gleichberechtigt zusammen. Die Videos zeigen eine politisierte Jugend, ihre Bilder auf den riesigen Leinw\u00e4nden sind sehr wirkungsvoll eingesetzt. Das ist beeindruckend und gro\u00df inszeniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal nervt es, dass das ansonsten hervorragende Schauspielensemble zu stark unter Dampf steht und alle im Stakkato sprechen. Die m\u00e4rchenhafte Geschichte k\u00f6nnte etwas mehr Humor vertragen. Auch h\u00e4tten der dreieinviertelst\u00fcndigen Auff\u00fchrung, darin zwei Pausen, ein paar K\u00fcrzungen gut getan. Trotzdem: \u201eAufRuhr\u201c bietet ein beeindruckendes Arrangement und ist auf jeden Fall ein diskussionsf\u00f6rdernder Abend.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAufRuhr\u201c von Christine Lang, Volker L\u00f6sch und Ulf Schmidt, Urauff\u00fchrung im Schauspiel Essen am 17.12.2021.<\/p>\n\n\n\n<p>Die n\u00e4chsten Vorstellungen: 6.1.; 7.1.; 21.1.2022 jeweils um 19.00 Uhr<\/p>\n\n\n\n<p>Link zur Website: <a href=\"http:\/\/www.schauspiel-essen.de\">www.schauspiel-essen.de<\/a> &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAufRuhr\u201c von Christine Lang, Volker L\u00f6sch und Ulf Schmidt, Urauff\u00fchrung im Schauspiel Essen von Martin Burkert Volker L\u00f6sch ist bekannt f\u00fcr entschiedenes politisches Theater, bei dem er Regie f\u00fchrt und als Co-Autor mitwirkt. 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