{"id":2583,"date":"2022-03-06T12:32:34","date_gmt":"2022-03-06T10:32:34","guid":{"rendered":"http:\/\/theaterfischer.de\/?p=2583"},"modified":"2022-03-06T16:01:32","modified_gmt":"2022-03-06T14:01:32","slug":"happy-end","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theaterfischer.de\/?p=2583","title":{"rendered":"<strong><u>Happy End<\/u><\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p>\u00c9douard Louis\u2018 &nbsp;&#8222;Freiheit einer Frau&#8220; auf der B\u00fchne<\/p>\n\n\n\n<p>HAMBURG. &nbsp;Falk Richter &nbsp;lehnt sich in seiner Bearbeitung und Inszenierung &nbsp;von \u00c9douard Louis\u2018 \u201eFreiheit einer Frau\u201c eng an den Roman des franz\u00f6sischen Schriftstellersoziologen an und erweitert ihn mit seinem Ensemble um ebenso kluge wie kurzweilige akustische, aber vor allem auch optische Einf\u00e4lle. Katrin Hoffmann r\u00fcckt ins Zentrum ihrer krassen, knallbunten B\u00fchnenbildcollage zwei Elemente: eine gigantische steinerne Faust und ein goldenes Siegestor im r\u00f6mischen Stil \u00e0 la Hollywood.<\/p>\n\n\n\n<p>Die steinerne Faust symbolisiert die Zeit der Unterdr\u00fcckung der Mutter. Sie lebt in der bleiernen Nachkriegszeit in der finstersten franz\u00f6sischen Provinz, wird ungewollt schwanger und gleitet so in die ihr und ihren Geschlechts- und proletarischen Klassengenossinnen vorbestimmte Bahn \u2013 nicht nur Armut trifft sie, auch&nbsp; die Abh\u00e4ngigkeit von ihrem Mann \u2013 ein roher Kerl, der s\u00e4uft und sie regelm\u00e4\u00dfig verpr\u00fcgelt. Von da an geht\u2019s bergab, noch mehr Kinder, noch weniger Geld, noch dr\u00fcckenderes Elend. Der erste Teil dauert fast zwei Stunden \u2013 zunehmende Misere, sie scheint ausweglos.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/2_FreiheiteinerFrau_Kuhnert_DFEF-47.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" src=\"https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/2_FreiheiteinerFrau_Kuhnert_DFEF-47.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2584\" srcset=\"https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/2_FreiheiteinerFrau_Kuhnert_DFEF-47.jpg 1000w, https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/2_FreiheiteinerFrau_Kuhnert_DFEF-47-300x200.jpg 300w, https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/2_FreiheiteinerFrau_Kuhnert_DFEF-47-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><figcaption>Paul Behren &#8211; Foto: Denis Kuhnert<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Denkste, &nbsp;denn dann kommt das Siegestor zu seinem Recht, seine Stirn ziert das Wort: Metamorphose. Die Mutter befreit sich vom Joch der Abh\u00e4ngigkeiten, zieht nach Paris und nimmt, wenn auch in bescheidenem Ma\u00df, an den Segnungen des guten Lebens teil.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Wendepunkt markiert das Ensemble als Revolution. Lange hat sich die Wut der Mutter aufgestaut, endlich sprengt sie die D\u00e4mme der Konvention. Sie wirft den Herrn Gemahl, der besoffen nach Haus kommt, raus; packt seine Sachen in einen Plastiksack und wirft ihn vor die T\u00fcr. Der G\u00f6ttergatte mag klopfen, drohen oder bitten \u2013 er bleibt drau\u00dfen. Die drei Musikerinnen (Peta Evlin, Bernadette La Hengst (sic!) und B\u00e4rbel Schwarz, eine knallharte, feministische&nbsp; Hard [Heart?] Metall Band) \u2013 geraten au\u00dfer sich. Sie waren schon zuvor alles andere als leise und kommentierten aus feministischer Sicht leidenschaftlich die M\u00e4nnermissherr- und wirtschaft, aber jetzt geraten sie aus dem H\u00e4uschen. Die Schlagzeugerin drischt auf ihr Instrument, das schmerz- und lustvoll die Klirrgrenze ins Reich des absolut Verbotenen hin h\u00f6llisch \u00fcberschreitet. Die Gitarren jaulen und die S\u00e4ngerinnen br\u00fcllen. BR\u00dcLLEN!!! &#8211; Wehe, wenn sie losgelassen, wachsend ohne Widerstand \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich wie im stark mit Fakten, mit Erlebnissen angereicherten Roman r\u00fcckt in der deutschen Erstauff\u00fchrung der Autor ins Zentrum, der Sohn der Mutter (schauspielerisch und s\u00e4ngerisch ein Genuss: Paul Behren). Der Autor, den Behren spielt, &nbsp;ist schwul, intelligent und schafft als Junge den Sprung aus dem Elend des Elternhauses, weil er aufs Gymnasium darf.&nbsp; Er braucht eine Weile, ehe er die \u00dcberheblichkeit seiner Mutter gegen\u00fcber abstreift und sich am Ende \u00fcber ihre Emanzipation, ihre Metamorphose, die er&nbsp; begleitet und unterst\u00fctzt, freut.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist ein Happy End. Und es ist ganz sch\u00f6n unwahrscheinlich. Falk Richter inszeniert die Metamorphose zwar ganz im Sinn des Autors als Apotheose, als Sieg des Guten, der m\u00f6glich ist, wenn frau nur Mut hat, Courage und Entschlossenheit, aber da das im wirklichen Leben vielleicht doch nicht ausreicht, auch ein bisschen ironisch. Das Ensemble spielt einheitlich gro\u00dfartig, aber am superspitzeun\u00fcbertroffensten verk\u00f6rpert Eva Matthes die Mutter: souver\u00e4n und mit straffer Haltung, als hinterlie\u00dfen die Jahre an der Aktrice keine Spuren. Sie tr\u00e4gt am Ende eine schwarze (K\u00f6niginnenOpern)Robe mit goldener Schleife und Applikationen, wo sie nur m\u00f6glich sind und wo sie unm\u00f6glich sind, auch. Andy Besuch hat Kost\u00fcme entworfen, die der deutschsprachigen Erstauff\u00fchrung jenen Hauch von Ironie beimischen, der die Skepsis unterstreicht, die angemessen ist f\u00fcr das etwas simple Rezept von \u00c9dourd Louis in seiner \u201eFreiheit einer Frau\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/8_FreiheiteinerFrau_Kuhnert_DFEF-355.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/8_FreiheiteinerFrau_Kuhnert_DFEF-355.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2586\" width=\"743\" height=\"494\" srcset=\"https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/8_FreiheiteinerFrau_Kuhnert_DFEF-355-300x200.jpg 300w, https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/8_FreiheiteinerFrau_Kuhnert_DFEF-355-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 743px) 100vw, 743px\" \/><\/a><figcaption>Eva Matthes &#8211; Foto: Denis Kuhnert<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">In dieser Auff\u00fchrung gerieten au\u00dfer den Musikerinnen noch die Schauspieler immer wieder aus dem H\u00e4uschen \u2013 aber am Ende auch das Publikum. Minutenlanger Applaus, begeistert, St\u00fcrme, rhythmisches Klatschen und einige standen auf, um ihre Begeisterung zu zeigen, vor allem, als&nbsp; \u00c9dourad Louis auf die B\u00fchne trat, um mit dem Ensemble im buchenswerten Beifall zu baden. Sogar meine Frau erhob sich \u2013 und das tut sie selten.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ulrich Fischer<\/p>\n\n\n\n<p>Vorstellungen am&nbsp; 8. und 19.M\u00e4rz; 6. und 16. April \u2013 Dauer: 2 1\/2 Std.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00c9douard Louis\u2018 &nbsp;&#8222;Freiheit einer Frau&#8220; auf der B\u00fchne HAMBURG. &nbsp;Falk Richter &nbsp;lehnt sich in seiner Bearbeitung und Inszenierung &nbsp;von \u00c9douard Louis\u2018 \u201eFreiheit einer Frau\u201c eng an den Roman des franz\u00f6sischen Schriftstellersoziologen an und erweitert ihn mit seinem Ensemble um ebenso kluge wie kurzweilige akustische, aber vor allem auch optische Einf\u00e4lle. 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