{"id":3043,"date":"2025-09-13T16:20:16","date_gmt":"2025-09-13T14:20:16","guid":{"rendered":"https:\/\/theaterfischer.de\/?p=3043"},"modified":"2025-09-13T16:27:43","modified_gmt":"2025-09-13T14:27:43","slug":"exil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theaterfischer.de\/?p=3043","title":{"rendered":"Exil"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ursula Krechels neues Buch: &#8222;Vom Herzasthma des Exils&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ursula Krechel hab ich kennengelernt, als ich ihren Roman &#8222;Landgericht&#8220; gelesen habe &#8211; vor Jahren. Ich hab mich im Studium mit Exilliteratur besch\u00e4ftigt, deshalb interessierte mich das Buch: es handelt von einem Juristen, der vor den Nazis floh, in Kuba ein Exil fand und nach dem Krieg nach Deutschland zur\u00fcckkehrte.<\/h4>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/7103.webp\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"400\" src=\"https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/7103.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-3045\" srcset=\"https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/7103.webp 400w, https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/7103-300x300.webp 300w, https:\/\/theaterfischer.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/7103-150x150.webp 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ursula Krechel &#8211; Foto: Heike Steinweg Photography<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Er kam in einem &#8222;Landgericht&#8220; unter und wurde schwer geschnitten. Alle Kollegen hatten wohl die Bef\u00fcrchtung, er verurteile sie, weil sie in der Nazizeit geblieben waren, einige waren auch Nazis geworden, gewesen &#8211; und sie wollten ums Verrecken nicht erinnert werden.<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ein komplexes Gef\u00fcge &#8211; und das Thema Exil ist wohl Ursula Krechels Lebensthema &#8211; der Titel ihres neuen Buchs weist darauf hin: &#8222;Vom Herzasthma des Exils&#8220; greift eine Wendung Thomas Manns auf, selbst ein Exilant.<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Der relativ kurze Text &#8211; keine 200 Seiten &#8211; weist keinen Gattungshinweis auf, er ist kein Roman, aber auch kein wissenschaftliches&nbsp; (trockenes) Werk. Ursula Krechel weist auf viele Exilanten hin, skizziert ihr Leben, den Grund ihrer Flucht, kommt aber auch nicht zu einem Mosaik &#8211; es sind nicht nur nebeneinander gestellte Schicksale &#8211; es ist wirklich die Beschreibung der Krankheit, des Herzasthmas &#8211; sehr schmerzhaft und lebensgef\u00e4hrlich. &nbsp;&nbsp;Herzasthma ist auch eine gesellschaftliche Krankheit, Herzensenge, Geistestr\u00e4gheit. Deutsche Gegenwart.<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Es ist ein Buch, in dem &nbsp;&nbsp;immer mal wieder nachschlagen kann, wer ein Einzelschicksal nachlesen m\u00f6chte, aber vor allem ist es eine Reflexion \u00fcber das Verh\u00e4ltnis der Bleibenden und der Gehenden &#8211; und eine Reflexion gegenw\u00e4rtiger Herzlosigkeit. Die Gedanken um die Schicksale derer, die bei uns um Schutz flehen &#8211; und wie wir sie im Stich lassen. Vor allem der R\u00fcckgriffauf die Beh\u00f6rdensprache \u00fcberzeugt, dass wir da, wo wir helfen m\u00fcssten, versagen.<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Das Buch macht einem das Herz schwer, ohne zu entmutigen, eher im Gegenteil: es ermutigt, zu helfen, wo man kann, ermutigt zur Einf\u00fchlung.<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Und nicht zu vergessen. Zum Schluss stellt Ursula Krechel noch einmal Namen einiger Exilanten hintereinander. Ihre letzte Erinnerung gilt einem kleinen Jungen, dessen Foto um die&nbsp; Welt ging:<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Alan Kurdi, der zweij\u00e4hrige Junge aus einer kurdisch-syrischen Familie, dessen Leichnam 2015 an der t\u00fcrkischen Mittelmeerk\u00fcste angeschwemmt wurde.&#8220;<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-right\">Ulrich Fischer<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<p>Ursula Krechel: &#8222;Vom Herzasthma des Exils&#8220;. Klett-Cotta, Stuttgart &nbsp;2015, 167 S., 18,00 \u20ac<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">&nbsp;<\/h1>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ursula Krechels neues Buch: &#8222;Vom Herzasthma des Exils&#8220; &nbsp; Ursula Krechel hab ich kennengelernt, als ich ihren Roman &#8222;Landgericht&#8220; gelesen habe &#8211; vor Jahren. 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