Johan Simons freut sich über Rekordbesuch bei der Ruhrtriennale
Von Günther Hennecke
Bochum/Köln – „Sehr glücklich“ zeigte sich Johan Simons drei Tage vor Ende der ersten von ihm als Chef verantworteten Saison der Ruhrtriennale. Glücklich kann er auch sein, ließen sich von seinem Leitmotiv „Seid umschlungen“ doch so viele Kunst- und Theaterfans zu den 51 Produktionen und insgesamt 150 Veranstaltungen in aufgelassene Zechen und Industrieanlagen locken wie nie zuvor in seiner Geschichte. 44.000 Karten wurden verkauft, über 90 Prozent betrug die Auslastung. An 19 Spielstätten zwischen Dinslaken und Bochum, Gladbeck und Essen, Duisburg, Essen und Mülheim sangen 900 Künstlerinnen und Künstler aus 20 Ländern in 18 Uraufführungen, Neuproduktionen und Deutschland-Premieren das hohe Lied auf die Kraft der Musik und des Theaters, des Tanzes und der Darstellenden Kunst. Außergewöhnliche Hallen einstiger Industrie-Hochkultur trugen wie immer zur Faszination der diesjährigen Festspiele bei. Nicht zu vergessen die Publikumsmagneten „The Good, the Bad and the Ugly“, ein „Kunstdorf“ in Bochum, das 20.000 neugierige Gäste anlockte und sich zu einem Festival-Zentrum mauserte, zudem die Installation „Nomanslanding“ in Duisburg, der 10.000 Gäste die Ehre erwiesen.
Das sozialkritische Musiktheaterstück „Accatone“, vom niederländischen Triennale-Intendanten (nach Pier Paolo Pasolini) als Auftakt-Inszenierung selbst in Szene gesetzt, zog allein 6.500 Gäste in die Kohlenmischanlage der ehemaligen Zeche Lohberg in Dinslaken, die Simons erstmals in den Kreis der Spielstätten einbezog. Der Holländer erntete freilich nicht nur Lob. Zu den Höhepunkten der Tage an der Ruhr gehörte hingegen zweifellos die Tanz-Uraufführung von „Model“, die der US-Choreograph Richard Siegal triumphal auf die Bretter des Salzlagers der Zeche Zollverein in Essen brachte. Die umjubelte Präsentation passte, im doppelten Sinn, in diese Anlage, die schon seit langem zu den Weltkulturerben gehört.
Doch nicht alles war eitel Sonnenschein. So ging, bei Kritik wie Publikum, der Versuch Krzystof Warlikowskis, den Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust, in fünf unendlich lange Stunden Bühnenpräsenz zu zwingen, ebenso in die Hose wie
Monteverdis Oper „Orfeo“, die Susanne Kennedys Regie bei den Zombies ansiedelte. Dass einige Triennale-Produktionen nun den Siegeszug durch zahlreiche Länder antreten, spricht freilich eindeutig für die wachsende kulturelle Strahlkraft dieser Veranstaltung.